Berlin/Hamburg. Ex-"Spiegel"-Redakteur Claas Relotius geht gegen das Buch "Tausend Zeilen Lüge" des "Spiegel"-Reporters Juan Moreno juristisch vor. Das berichten unter anderen "Zeit", "FAZ" und "Focus".

Moreno beschreibt in seinem Buch die Mechanismen, die zu dem Fälschungsskandal führten. Während der gemeinsamen Arbeit an einer Reportage, die im November des vergangenen Jahres im "Spiegel" unter dem Titel "Jaegers Grenze" erschien, fielen Moreno Ungereimtheiten in Relotius' Arbeit auf. Bei der Nachrecherche stellte Moreno fest, dass der von Relotius beigesteuerte Teil an der Erwartungshaltung entlang frei erfunden war. Nachdem Moreno in diesem Artikel Relotius als Fälscher entlarvt hatte, brach dessen gesamtes Lügengebäude nach und nach zusammen: Von den rund sechzig Artikel, die Relotius im "Spiegel" veröffentlicht hatte, erwies sich der größte Teil als gefälscht.

"Randfragen und Nebenschauplätze"

Relotius behauptet nun, Moreno würde in seinem Buch "Tausend Zeilen Lüge" "erhebliche Unwahrheiten und Falschdarstellungen" über ihn verbreiten und begehrt die Unterlassung. Das hat der Rowohlt Berlin Verlag, in dem Morenos Buch erschienen ist, bestätigt. Allerdings würde Relotius nicht den Vorwurf der Fälschung bestreiten oder Morenos Beweise anzweifeln. Bei den "erheblichen Unwahrheiten und Falschdarstellungen" soll es sich laut Verlag vielmehr um den Versuch handeln, "mit Randfragen und Nebenschauplätzen den Reporter Moreno zu diskreditieren".

Der "Focus" berichtet, dass Relotius mehr als zwanzig Stellen von Morenos Buch als unrichtig beanstandet. Neben zahlreichen Kleinigkeiten (wie Essensgewohnheiten oder die korrekte Zahl der von ihm gewonnenen Journalistenpreise) geht es auch um die kranke Schwester von Relotius. Laut Moreno habe Relotius die seitens des "Spiegel" angebotene Festanstellung abgelehnt haben, da er sich um seine kranke Schwester kümmern müsse. Dies will Moreno von Relotius' ehemaligem Chef, Matthias Geyer, erfahren haben. Der bestreitet jedoch gegenüber der "Zeit", dies so gesagt zu haben.

Die "Zeit" zitiert Relotius, dass er sich seiner "eigenen großen Schuld" bewusst sei. Er müsse aber keine Falschbehauptungen Morenos hinnehmen. Für sein Handeln, so Relotius,  sei nicht das von Moreno angeblich unterstellte "eigensinnige Kalkül" verantwortlich gewesen, sondern ein "krankhafter Realitätsverlust". (red)