Man kennt die ubiquitären Vorurteile über die Jugend von heute: Selbstverliebt, keinerlei Biss und übersensibel - dafür stets online und auf der Suche nach dem richtigen Selfie. Doch im neuen Asterix-Comic "Die Tochter des Vercingetorix", der am Donnerstag erschienen ist, erhebt man sich (zumindest meistens) über das Klischee. Denn in Band Nummer 38 bringt die Häuptlingstochter Adrenaline das Gefüge des beschaulichen gallischen Dorfes einigermaßen durcheinander. Denn Adrenaline soll im Dorf vor Cäsar (wem sonst?) versteckt werden, der sie für sich haben will und sie zur echten Römerin machen möchte.

Da ist er bei den Galliern natürlich auf dem falschen Dampfer. Und der Band birgt einige Erweiterungen des klassischen Ensembles. Wir lernen erstmals die nächste Generation kennen: Selfix, der Sohn des Schmieds, und Fischhändlersohn Aspix sind genervt von ihren Vätern, die sich ja doch nur ständig streiten - diesmal darüber, wer seinem Nachwuchs die bessere Ausbildung bietet. Auf die Idee, dass sie die Betroffenen selbst fragen, kommen sie erst gar nicht. Der gallischen Dorfjugend kommt daher die Blutauffrischung durch die coole und willensstarke Adrenaline gerade recht. Denn die Häuptlingstochter, die auf gotische Kleidung steht und die Mitglieder ihrer Squad mit der Ghettofaust begrüßt, will eigentlich nur eines: Ausbüchsen und ihren eigenen Weg gehen. Sie ist genervt von den Ränkespielen ihres Vaters Vercingetorix (dessen Namen man nicht laut nennen darf) und sucht daher einen Weg, der Enge des Dorfes zu entkommen. Die ausgerechnet vor der Küste des Dorfes in eine Flaute geratene leidgeprüfte Piraten-Mannschaft kommt ihr da nur recht. Flugs übernimmt sie das Schiff, bis ihr die Römer auf die Schliche kommen.

Fünf Millionen Startauflage

Es ist das 38. Abenteuer von Asterix und Obelix, das in einer schier unglaublichen Startauflage von fünf Millionen Alben in den Handel kommt. "Die Tochter des Vercingetorix" ist zudem der vierte Band aus der Feder der Franzosen Jean-Yves Ferri (Text) und Didier Conrad (Zeichnungen). Das Duo hat vor genau sechs Jahren mit "Asterix bei den Pikten" das Erbe des Zeichners und Autoren Albert Uderzo angetreten. Der legendäre ursprüngliche "Asterix"-Texter Rene Goscinny war bereits 1977 gestorben.

Das Spannungsfeld zwischen Dorfjugend und dem althergebrachten Personal bietet ein breites Spielfeld für allerlei Anspielungen auf die heutigen Zeiten. Wenn Selfix, der Sohn des Dorfschmieds, Asterix rüde zurechtweist, dass Hinkelstein und Zaubertrank "die Stützen des Wildschweinesystems sind", und die Piraten die geleerten Amphoren nicht einfach ins Meer werfen sollen, möchte man auf den Kalender schauen, ob nicht gerade Freitag ist. Als der Fischhändlerssohn Aspix Obelix vorwirft, dass ihn sein Zaubertrank-Konsum fett macht, ist Schluss mit lustig. Hier krachen Welten aufeinander.

Zudem steht ein Jubiläum an. "Asterix" feiert im deutschsprachigen Raum in Kürze sein 50. Jubiläum. Der neueste Band ist ein solides Heft mit amüsanten Momenten. Freilich ist auch wahr: Man hat hier schon mal mehr gelacht. Aber es ist gut, dass die Reihe auch unabhängig von ihren ursprünglichen Schöpfern fortgesetzt wird. So kann sie ein neues Profil gewinnen, das auch in eine neue Zeit passt. Wichtig ist doch primär, dass überhaupt noch analog gelesen wird. Auch und vor allem Comics.