Wien. Eine Institution der österreichischen Presselandschaft begeht diese Woche ein Jubiläum: Der Presseclub Concordia feiert am Donnerstag den 160. Jahrestag seines Bestehens. Gegründet wurde die Concordia 1859 in einem Klima der Repression und Zensur. Heute ist die Pressefreiheit garantiert - und doch, meint Concordia-Präsident Andreas Koller: "Es gilt, wachsam zu sein."

"Von der Freiheit des Wortes, der Freiheit der Medien war damals keine Rede", umreißt Koller die Ausgangssituation bei der Gründung. Nicht zuletzt Sozialfürsorge für in Bedrängnis geratene Journalisten war ein zentraler Vereinszweck. Und dann, eine "Standesvertretung für Journalisten zu gründen, die sich auch politisch schlagkräftiger macht". Und "die Vertretung der Journalisten 'nach oben', wenn man so will - gegenüber den Behörden - das findet auch heute noch statt."

Pressefreiheit sei ein hohes Gut und der Blick über die Landesgrenzen zeige, wie schnell sie in Bedrängnis geraden könne. Mit Staaten, in denen Journalisten um ihr Leben fürchten müssen, ist Österreich nicht vergleichbar. Doch der langjährige Innenpolitik-Chef der "Salzburger Nachrichten" meint auch: "Ich habe nicht den Eindruck, dass alle Politiker in Österreich kapiert haben, was Pressefreiheit eigentlich bedeutet." Er erinnert etwa an die umstritten Richtlinien für die Öffentlichkeitsarbeit, die Herbert Kickl in seiner Zeit als FPÖ-Innenminister verantwortete.

Forderung nach Informationsfreiheitsgesetz

Und an den Rahmenbedingungen für unabhängigen Journalismus gebe es noch jede Menge zu arbeiten. Koller erinnerte etwa an "die Forderung nach einem Informationsfreiheitsgesetz: Wir müssen schauen, dass das Thema wieder auf den Tisch kommt", meint er nicht zuletzt mit Blick auf anstehende Regierungsverhandlungen. "Wir schalten uns in die medienpolitische Debatte ein, wir achten darauf, dass das freie Wort frei bleibt", so formulierte Concordia-Generalsekretärin Daniela Kraus unlängst den aktuellen Auftrag in einem Gastkommentar für die "Presse". Verstärkt in diesem Sinn positionieren will sie auch den traditionsreichen Concordia-Ball: Das Frühsommer-Highlight als "Ball der Journalistinnen und Journalisten" findet 2020 am 29. Mai statt. Die Concordia zählt zudem auch zu den Träger-Organisationen des Österreichischen Presserats.

Die Concordia feiert ihre 160 Jahre mit einem Festakt am 7. November - natürlich am Standort in der Bankgasse 8 im 1. Wiener Bezirk. Die Festrede wird Bundespräsident Alexander Van der Bellen halten, auch Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein und Medienminister Alexander Schallenberg haben sich angesagt. (apa)