Die deutsche Wirtschaft ist im Abschwung und spart bei der TV-Werbung - das bekommt auch der Fernsehkonzern ProSiebenSat.1 zu spüren. Die Erlöse im Kerngeschäft sanken im dritten Quartal um sechs Prozent, wie das Unternehmen am Donnerstag in München mitteilte.

Vorstandschef Max Conze treibt den Umbau des Konzerns jedoch weiter voran, investiert in die Streaming-Plattform Joyn sowie digitale Werbung und nimmt dafür auch in Kauf, dass der Quartalsgewinn um 74 Prozent auf 33 Mio. Euro einbrach.

"Wir machen weiter gute Fortschritte", sagte Conze. Die im Juni gestartete Streaming-Plattform Joyn werde inzwischen von fünf Millionen Menschen genutzt, vor Weihnachten komme ein Bezahl-Abo-Modell mit Originalproduktionen und großer Mediathek dazu. Die Fernsehsender investierten mehr in selbstproduzierte Programme und Liveformate und hätten Zuschauer gewonnen.

Der Umsatz der Internet-Shops und das Produktionsgeschäft wuchsen und sorgten dafür, dass der Konzernumsatz trotz sinkender Werbeerlöse um vier Prozent auf 926 Mio. Euro stieg. Der Gewinn von ProSiebenSat.1 hängt bisher aber vor allem vom klassischen Werbegeschäft ab - und da sieht es mau aus.

Um zehn Prozent gesunken

"Auch der Oktober ist nicht sonderlich gelaufen", sagte Finanzvorstand Rainer Beaujean der dpa. Der Jahresumsatz des Konzerns soll zwar in einer ähnlichen Größenordnung zulegen wie im Quartal, der Betriebsgewinn sinken - grob gerechnet wäre es vielleicht ein Zehntel weniger. Die Prognose steht aber auf wackligen Beinen, denn in der Regel erwirtschaftet der Fernsehkonzern im letzten Quartal ein Drittel seines Jahresumsatzes und sogar 40 Prozent seines Betriebsgewinns.

Die Investitionen in die Zukunft des Unternehmens würden aber keinesfalls gekürzt, nur um kurzfristige Finanzziele zu erreichen, stellte Beaujean klar. "Das ist ein Marathon, kein kurzes Rennen."

Nach Silvio Berlusconis Mailänder Mediaset-Konzern ist im Oktober Czech Media Invest (CMI) bei ProSiebenSat.1 eingestiegen. Conze sagte, er habe sich gefreut und sehe das als Vertrauensbeweis von CMI in den Umbau. ProSiebenSat.1 beschäftigt rund 6.500 Mitarbeiter.