Warschau/Los Gatos. Der polnische Regierungschef Mateusz Morawiecki hat sich in einem Brief bei Netflix-Chef Reed Hastings über Fehler in der Serie "The Devil Next Door" ("Der Teufel wohnt nebenan") beschwert.

Die Netflix-Doku-Serie rückt den ehemaligen KZ-Wärter Iwan John Demjanjuk ins Zentrum. Demjanjuk soll sich als Angehöriger der Wachmannschaften des Konzentrationslagers Sobibor in Polen 1943 der Beihilfe zur grausamen Ermordung von mindestens 29.000 europäischen Juden schuldig gemacht haben. Der später in die USA emigrierte Autoarbeiter erlangte seinerzeit als "Iwan der Schreckliche" traurige Berühmtheit. Über Jahrzehnte hinweg wurde er immer wieder vor Gericht gestellt und schließlich mit schwer belastendem Beweismaterial 2011 zu fünf Jahren Haft verurteilt. 2012 starb Demjanuk in einem deutschen Gefängnis in Bad Feilnbach, er wurde 91 Jahre alt.

Opfer und Täter?

Laut dem polnischen Regierungschef Morawiecki entstehe in der Netflix-Dokumentarserie fälschlicherweise der Eindruck, dass Polen für die Konzentrationslager und die darin begangene Verbrechen verantwortlich gewesen seien. "Tatsächlich aber hat Polen", so der Ministerpräsident in seinem Brief an Netflix, "während des Zweiten Weltkriegs gar nicht als Staat existiert, sondern hat unter der deutschen Besatzung und Gewaltherrschaft gelitten. Viele polnische Bürger sind ermordet worden, weil sie versucht hatten, ihre jüdischen Nachbarn zu retten."

Die polnische Regierung achtet streng darauf, dass beispielsweise deutsche Konzentrationslager auf heute polnischem Gebiet nicht als "polnisch" bezeichnet werden. Dies ist durch ein eigenes Gesetz ausdrücklich verboten. Vor allem Vertreter Israels kritisierten in der Vergangenheit wiederholt, das Gesetz könnte auch dazu missbraucht werden, jede Mittäterschaft von Polinnen und Polen an NS-Verbrechen zu leugnen.Ein Netflix-Sprecher erklärte am Montag, man werde den Sachverhalt mit Dringlichkeit prüfen. (apa/dpa)