Das Wahljahr 2019 hat es gezeigt: Österreich ist auf dem Weg in die Emokratie, also eine von Emotionen bestimmte öffentliche Debatte. Das war die zentrale These des Politikberaters - und ehemaligen Journalisten - Thomas Hofer in seiner Analyse der politischen und medialen Kommunikation des Wahlkampfes. Die Journalisten seien weniger die Urheber dieser Entwicklung, die Ursachen dafür lägen vielmehr in den Medienmechanismen und Bedingungen des digitalen Zeitalters, erläuterte Hofer vor dem Symposium des Friedrich Funder Instituts zum Wochenauftakt im Presseclub Concordia in Wien.

Die Vielzahl der TV-Duelle und Diskussionen der Spitzenkandidaten hätten zu Verdichtung und Beschleunigung, folglich einem "medialen Dauerton" in der Öffentlichkeit geführt. Ständig erfolgten "neue Zuspitzungen" und eine "Beschleunigung". Die Medien unterlägen einem stets steigenden "Originalitätszwang", was zusammengenommen eine "Eskalationsspirale" in Gang setze, die letztlich "uns alle überfordert". Die "Grenzüberschreitungen" im Wahlkampf, etwa Hacks und Leaks, seien "die Vorboten dessen, was wir noch sehen werden", meinte Hofer. Unsere Gesellschaft sei jedenfalls den Möglichkeiten "des Zeitalters der Bewegtbild-Manipulation durch deep fakes nicht gewachsen". Die - technisch - neuen Plattformen mitsamt Social-Media-Kanälen dürften jedenfalls nicht den Journalismus "aushebeln", dessen klassische Tugenden "mit Selbstbewusstsein" gepflegt und geschätzt werden sollen.

"Rausgehen und Zuhören"

Wie das im Sinne liberaler Demokratie gelingen kann? "Durch Erläuterung der politischen und kommunikativen Vorgänge", wie Petra Stuiber, stellvertretende Chefredakteurin des "Standard", meinte. Also laut Walter Hämmerle, Chefredakteur der "Wiener Zeitung", durch "unabhängigen und glaubwürdigen Erklärjournalismus". Und die Channelmanagerin von ORF1, Elisabeth Totzauer, empfiehlt Journalisten "die Konzentration auf das Kerngeschäft", nämlich für die Berichterstattung aus den Redaktionen "rauszugehen und zuzuhören", denn "wenn wir das nicht schaffen, werden wir die Menschen verlieren, als Medien und als Gesellschaft". Diese bräuchten ihrerseits deutlich mehr an Medienkompetenz, also Fertigkeiten, medial vermittelte Manipulationen zu erkennen und demgegenüber Qualität zu schätzen. Medienkompetenz sollte etwa für Lehrer angeboten und dann an Schulen vermittelt werden, um dem von Hofer genannten "medialen Analphabetismus" zu entgehen, der nichts mehr zu unterscheiden vermöge und zur "Emokratie" führe, in der die Algorithmen der Sozialen Medien regieren.