Video-on-Demand-Angebote werden das klassische Fernsehen noch lange nicht ablösen. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Fachbereichs Kommunikationswissenschaft der Universität Salzburg und von Mediareports, die im Auftrag der Österreichischen Rundfunksender (ORS) die Entwicklung des Bewegtbilds bis 2030 untersucht haben.

Die Nutzungszahlen weisen zwar einen stetig rückläufigen Trend auf, von einem Verschwinden des klassischen Fernsehens könne aber keine Rede sein, stellt Studienautor Josef Trappel fest. Insgesamt wird die Bewegtbildnutzung pro Person sogar von 241 Minuten auf 262 Minuten täglich steigen, prognostiziert Trappel. Verantwortlich dafür sind allerdings Video-on-Demand-Dienste.

Die größte Konkurrenz für das klassische Fernsehen sind kostenpflichtige Streamingdienste wie Netflix oder Amazon Video. Laut der Studie wird sich die durchschnittliche Nutzungszeit für nichtlineares Bewegtbild von 47 Minuten auf knapp 87 Minuten erhöhen. Das lineare Fernsehen in Österreich müsse bis 2030 trotzdem "nur relativ geringe Einbußen" befürchten. Die Nutzung geht bis 2030 von 194 Minuten (2018) auf 176 Minuten zurück.

Positiv auf den klassischen TV-Konsum wirkt sich die demografische Entwicklung aus. Denn bei den über 60-Jährigen bleibt die Nutzungsdauer mit 300 Minuten stabil. Bei den Jüngeren geht sie aber "signifikant zurück". So wird prognostiziert, dass sich der lineare Fernsehkonsum bei den unter 30-Jährigen um 46 Minuten auf knapp eine Stunde reduzieren könnte. Die 30- bis 59-Jährigen werden nur noch 145 Minuten statt 185 Minuten fernsehen. Im internationalen Vergleich vollziehe sich der Wandel der Fernsehnutzung von linearem Angebot zu On-Demand-Diensten in Österreich allerdings langsamer als in anderen Ländern, heißt es.

In der Analyse wird außerdem davon ausgegangen, dass ein vielfältiges lineares und kostenloses Angebot ebenso wie das Alleinstellungsmerkmal der österreichischen TV-Sender, nämlich die Produktion und Ausstrahlung nationaler Inhalte, bestehen bleiben. Die Einnahmen der Broadcast-Anbieter werden "bestenfalls stagnieren".

Für 2030 erwarten die Studienautoren grundsätzlich eine Ausweitung des Bewegtbildpotenzials durch Arbeitszeitreduktionen, zusätzliche Parallelnutzung beispielsweise beim Essen und eine Reduktion der Schlafdauer. Als Grundlage für die Analyse der Bewegtbildnutzung wurden Daten des Teletest und der AGTT/RTR-Bewegtbildstudien herangezogen.(apa)