Gleich und gleich gesellt sich gern und Gegensätze ziehen sich an. Ja, was denn nun? Während Einigkeit in den wesentlichen Fragen zwischenmenschliche Beziehungen in Wirklichkeit sicherlich um einiges erleichtert, sind es im Film gerade konträre Charaktere, die besonders gute Duos abgeben. Dramaturgisch passen Dick und Doof, Pinky und Brain, Harry und Sally vornehmlich deshalb so gut zusammen, weil sie im realen Leben wahrscheinlich nicht über einen kühlen Händedruck, ein süffisantes Lächeln und ein peinlich berührtes Räuspern hinauskommen würden. Denn im Film ziehen sich die Gegensätze nicht nur an, sie bedingen sich sogar gegenseitig: Nur wenn einer der Parade-Dummkopf ist, kann der andere als Blitzgneißer brillieren, direkt neben der Ratio wirkt der Eros umso leidenschaftlicher und mit übersteigertem Heldenmut können oft nur Hasenfüße Schritt halten. Auch dieses Wochenende beweist das Fernsehprogramm, dass es sich auszahlt, wenn sich ungleiche Kompagnons doch bis auf einen grünen Zweig zusammenraufen.

Manchmal sind die Unterschiede dabei aber nur physikalisch groß, wie etwa in "BFG - Big Friendly Giant" (Sa., 20.15 Uhr, Sat.1) nach Roald Dahl. Waisenkind Sophie (Ruby Barnhill) streift, wenn alle schlafen, gern durch die Flure des Waisenhauses, als sie eines Nachts einen Riesen (Mark Rylance) dabei erwischt, wie er durch Londons Straßen huscht, um Kindern schöne Träume einzuflößen. Die nächtliche Bettflucht haben Groß und Klein also schon einmal gemeinsam. Als der Gigant das kleine Mädchen entdeckt, steckt er es aber sicherheitshalber doch in seine Tasche und entführt es ins Reich der Riesen. Zuerst befürchtet Sophie, dass er sie fressen will, doch als sich herausstellt, dass er nichts dergleichen im Schilde führt, freunden sich die zwei über alle Höhenunterschiede hinweg an. In seiner Sanftmut ist Sophies Riesenfreund allerdings die Ausnahme der Regel: Kinder sind die Leibspeise seiner Artgenossen und besonders freundlich sind sie überdies auch zu dem etwas kleiner als sie geratenen freundlichen Riesen nicht. Als wäre das nicht schon unsympathisch genug, planen sie auch noch, die Menschenwelt anzugreifen.

Oft haben ungleiche Paare nicht nur mit den gegenseitigen Differenzen zu kämpfen, sondern auch mit Gegenwehr von außen. In der US-amerikanischen Komödie "Why Him?" (Sa., 20.15 Uhr, ProSieben) haben sich die gut erzogene Stephanie (Zoey Deutch) und ihr rüpelhafter Freund Laird (James Franco) eigentlich schon recht gut aufeinander eingestellt - bis Stephanies Familie zu Besuch kommt. Denn bei Vater Ned (Bryan Cranston) schrillen schon bei der ersten Begegnung mit dem steinreichen Jungunternehmer alle Alarmglocken, hier prallen Welten aufeinander: konservatives Unternehmertum versus rotzfrecher Neureicher, Zurückhaltung versus Exaltiertheit und letztlich natürlich der Paradetopos schlechthin: Schwiegervater versus Schwiegersohn. Als dieses Schwiegerärgernis dann auch noch um die Hand der Tochter anhält, ist das Maß endgültig voll und Ned setzt alles daran, die beiden auseinanderzubringen. Schließlich kann der unkonventionelle Laird seinen Brautvater in spe aber doch noch von seinen Qualitäten überzeugen.

Diese Erfahrung macht auch Philippe (François Cluzet) in "Ziemlich beste Freunde"(Sa., 20.15, ORF1). Seit einem Sportunfall ist er vom Kopf abwärts gelähmt und sucht nach einem Pfleger. Dabei entscheidet er sich ausgerechnet für den brüsken Driss, der gerade erst aus der Haft entlassen wurde und sich bei der Bewerbung eigentlich nur den Stempel fürs Arbeitsamt abholen wollte. Die beiden könnten unterschiedlicher nicht sein: Philippe lebt in einer noblen Wohnung in Paris, Driss kennt nur das harte Leben in den Banlieues. Irgendwie verbindet sie aber ein außergewöhnlicher Draht und letztlich profitieren sie sogar voneinander. Aus anfänglichen Differenzen entwickelt sich also eine Freundschaft, die ein Leben lang halten soll. Unterschiede schließen Gemeinsamkeiten eben noch lange nicht aus.