Belohnungen begleiten die Menschen ihr ganzes Leben. Von Kindheit an bis ins Erwerbsleben und darüber hinaus sind Anreiz- und Belohnungssysteme anzutreffen. Erwünschtes Verhalten wird gefördert und ein Lenkungseffekt erzielt. Einen neuen Höhepunkt setzten soziale Netzwerke, die als Währung und Statussymbole "Likes" eingeführt haben. Die Stimmungsmache und Meinungsbildung wurden so in bislang ungeahnte Höhen geschraubt, meinen Kritiker. In der realen Welt setzen hingegen immer mehr Unternehmen und Staaten auf das Prinzip des "Nudging". Nudge (engl. für Stups oder Schubs) wurde von Wirtschaftswissenschafter Richard Thaler und dem Rechtswissenschafter Cass Sunstein und deren Buch "Nudge: Wie man kluge Entscheidungen anstößt" 2008 geprägt.

Schubs in die richtige Richtung

In der Verhaltensökonomie versteht man darunter eine Methode, das Verhalten von Menschen zu beeinflussen, ohne dabei auf Verbote und Gebote zurückgreifen oder ökonomische Anreize verändern zu müssen. Doch auch hier wächst die Kritik, da man nicht wirklich ableiten kann, ob menschliches Verhalten nachhaltig geändert wird oder eben nur der Belohnung wegen kurzfristig adaptiert wird. Anstelle eines Schubses in die erwünschte Richtung somit eher ein Schubs in den Abgrund. Als dramatischste Ausprägung staatlicher Lenkungssysteme ist wohl das chinesische "Social Credit"-System zu nennen. Nicht nur, dass es einer großangelegten Überwachung bedarf, so müssen Bürger, die sich nicht sozialkonform verhalten, mit ernsthaften Konsequenzen rechnen. Wie sinnvoll sind also Anreiz- und Belohnungssysteme für eine Gesellschaft?

Der Aufschrei im sozialen Netzwerk Instagram war vor wenigen Tagen ein großer, als auf einmal die "Likes" unter Einträgen nicht mehr zu sehen waren. Anstelle der Anzahl an abgegebenen Zustimmungen, erscheint neben dem entsprechenden Feld nun lediglich der Name einer Person, der das angezeigte Bild gefallen hat. Damit ist es für Dritte nicht mehr ersichtlich, wie viele Nutzer genau auf den Like-Button für den Inhalt gedrückt haben. Nur die Person, die den Post erstellt hat, kann auch nach der Änderung noch die Likes sehen. Dieser Schritt stößt nicht bei allen Nutzern auf Gegenliebe. Da dieses Verhalten aber schlussendlich zu einem Wettlauf um Aufmerksamkeit wurde und die Bildung sogenannter Filterblasen fördert, wollen die Entwickler mit dem Ende der Anzeige den Inhalt der Posts wieder in den Vordergrund stellen. Es zeigt sich nämlich, dass viele Likes tendenziell immer mehr Likes generieren, ohne, dass Inhalte wirklich genau gelesen werden. Es wird also nicht die Meinung wiedergegeben oder unterstützt, sondern der Lemmingherde des "Gefällt mir"-Drückens nachgelaufen.