Nudging, Gamification und Game-based Learning sind drei Ansätze, die in unterschiedlichen Bereichen eingesetzt werden und dabei auf verhaltenspsychologischen Erkenntnissen über das menschliche Verhalten aufsetzen. Im ersten Fall sollen Menschen ohne Verbote, aber mit sanften Hinweisen zu einem "vernünftigeren" Verhalten bewegt werden. Game-based Learning bezeichnet wiederum spielerisches Lernen, das analog oder digital stattfinden kann. Lernende erkunden oder erforschen in einem erdachten, virtuellen Rahmen - oft eingebettet in eine Geschichte, durch die sie durch Regeln geleitet werden. Gamification im Zusammenhang mit Bildung meint einen behavioristischen Ansatz. Man nimmt die Belohnungselemente aus dem Spielkontext, um sie in einen völlig konventionellen Lernkontext einzufügen.

Die Fliege im Pissoir

Einer der ersten sichtbaren Ansätze waren die berühmten, aufgeklebten Fliegen oder Tore im Pissoir. Der Sinn und Zweck war einfach: Wer auf die Fliege zielt oder den Ball ins Tor pinkelt, der spritzt weniger daneben. Eine Win-win-Situation. Andere Beispiele im öffentlichen Raum sind etwa die Piano-Stiege in Stockholm. Hier wurde in einer U-Bahnstation eine Treppe mit Sensoren ausgestattet und jene Fahrgäste, die nicht die Rolltreppe verwendeten, sondern zu Fuß gingen, konnten Melodien spielen. Auch Mistkübel eigenen sich hervorragend für eine "spielerische Erziehung". Etwa wenn Aschenbecher zu einer öffentlichen Wahlkabine werden und man zwischen "Ronaldo" und "Messi" abstimmen kann.

Im Fokus der aktuellen Entwicklungen stehen "gesellschaftliche Trendthemen", wie Ernährung, Bewegung und Klimaschutz. Apps, die Punktesysteme, Ranglisten und Wettkämpfe bieten, bei denen Trainingsroutinen oder geänderte Essgewohnheiten Erfolge bringen, sind in aller Munde. Mit einem "Anreizsystem" will die Stadt Wien zukünftig dazu animieren, CO2-Emissionen zu reduzieren. Mittels einer App sollen Teilnehmer nach "Wien Tokens" - einer Art digitale Gutschrift - schürfen und diese in Kultureinrichtungen einlösen.

"Auch ein kleiner Schubser ist eine Manipulation. In manchen Bereichen wird das aber als akzeptabel gesehen, vor allem, wenn man versucht, die Leute dorthin zu schubsen, wo es gesellschaftlich erwünscht ist - also beispielsweise hin zu einem geringeren Energieverbrauch", so Jaro Krieger-Lamina vom Institut für Technikfolgen-Abschätzung (ITA) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. "Aber was gesellschaftlich erwünscht ist, ist kein stabiler Rahmen. Das ist oft nicht transparent und verändert sich. Die Frage ist auch, ob man ein so geändertes Verhalten wirklich nachhaltig geändert hat oder ob das verpufft, wenn die Spielsituation wegfällt", so Krieger-Lamina. "Nudging hat viel Potenzial, aber auch viele Kritiker und kann sicherlich auch missbraucht werden. Aber ich glaube, dass es eine sinnvolle Ausrichtung ist, zu schauen, wo man ohne Gesetze auskommt und trotzdem Verhalten steuern möchte, so, dass nicht manipuliert wird, sondern die Ziele des ,Entscheidungsarchitekten‘ klar und konkret sind", so Erich Kirchler, Vorstand des Instituts für Angewandte Psychologie an der Universität Wien.

Der Erfolg wird also an der Transparenz hängen und an der Frage, ob man den Nutzen als Anwender erkennt und langfristig sein Verhalten adaptiert. Belohnen statt strafen klingt vernünftig, setzt man es auch richtig ein.