Kaum ist die Garantie abgelaufen, haucht das Gerät seinen Lebensgeist aus. Kein schmerzvoller, langwieriger Tod, sondern ein abruptes Ende. "Was früher definitiv besser war", meinte kürzlich der Installateur des Vertrauens, "sind die Schwungräder und Stoßdämpfer in Waschmaschinen und die Qualität der Thermen". Auch Elektronikdefekte in Autos, die kostenintensive Reparaturen nach sich ziehen können, sind ein Ärgernis. Etwa wenn der Tankdeckel sich nicht mehr öffnen lässt und die Schadensbehebung in einen vierstelligen Bereich geht, weil man den kompletten Tank zuerst ausbauen muss, um an den kleinen Elektromotor zu kommen.

Kritiker sprechen in diesem Zusammenhang von "geplanter Obsoleszenz" und kritisieren zudem die entweder überhaupt nicht mehr mögliche Reparatur von Geräten oder die Kosten, die in keiner Relation zum Wert lägen und damit stets zu einem Neukauf und mehr Müll führen würden. Zwar gab es in der Vergangenheit Fälle, in denen Hersteller ihren Geräten ein Ablaufdatum einbauten. Doch meist steckt hinter der kurzen Lebensdauer keine böse Absicht, sondern enormer Kostendruck, berichteten jetzt Wissenschafter des Schweizer Materialforschungslabors (Empa).

Handy mit Ablaufdatum

Am Ende ist es dem Konsumenten jedoch egal, ob es ein Ablaufdatum gibt oder den billigeren Bauteilen selbst kein langes Leben beschieden ist. Problematisch wird es vor allem dann, wenn auch hochpreisige Geräte nicht mehr den Qualitätsanforderungen genügen. Gerade auch um das sogenannte "Black Friday"-Wochenende werden der Kaufrausch und der Austausch von Geräten wieder in neue Höhen getrieben. Das große Wegwerfen betrifft aber längst nicht mehr nur die Flut immer neuer sinnloser Billigprodukte. Selbst Dinge, die nicht von Beginn an als Wegwerfware konzipiert sind, seien heute eher kurzlebig, erläutert Wolfgang König in seinem Buch "Geschichte der Wegwerfgesellschaft". Die Lebensdauer eines einfachen Herrenschuhs etwa werde inzwischen auf ein Jahr geschätzt, die eines Damenschuhs sei noch kürzer.

Auch wenn es meist an Kostendruck oder Konstruktionsfehlern liegt, gibt es geplante Obsoleszenz aber durchaus. Heute steckt oftmals Software dahinter, schrieb die Empa: Tintenstrahldrucker sind mit Chips ausgestattet, die das Drucken lahmlegen, sobald das Füll-Level der Patrone unter einen gewissen Wert fällt. Komplett aufbrauchen können Konsumenten die Tintenpatrone dadurch nicht.

Ein anderes Beispiel betrifft Smartphones. Es gibt nämlich einige Knackpunkte im Handy, die eine kurze Lebenszeit fördern: zu geringer Speicherplatz, rasche, technische Verbesserungen, Stichwort Kamera, und das weite Feld der Software und Apps. Eine Untersuchung der italienischen Wettbewerbsbehörde von 2018 kam zum Schluss, dass Software-Updates von Apple und Samsung die Leistung älterer Smartphones so stark verschlechterten, dass dies Konsumenten zum Kauf neuer Geräte drängte. Außerdem drosselte Apple die Prozessoren der Smartphones bewusst, sobald der Akku einen gewissen Verschleiß zeigte. Beide Konzerne mussten Strafen in Millionenhöhe zahlen und Verbesserungen umsetzen.

Eine weitere relativ neue "Errungenschaft" ist die Inkompatibilität nicht mehr nur zwischen Hard- und Software, sondern zwischen Betriebssystem und App. Mit Ende des Jahres werden hunderttausende Anwender die beliebte Chat-Software WhatsApp nicht mehr nutzen können. Dann nämlich wird die Version für Windows Phones abgedreht, im Februar folgen dann auch alte Android (unter Version 4.0.3) und iPhones mit iOS 8. Die Geräte funktionieren, aber die Kommunikation über diesen Kanal wird nicht mehr möglich sein. Die softwarebedingte Obsoleszenz dürfte sogar künftig zu einem noch größeren Problem werden, schrieb die Empa: im Zuge des sogenannten "Internet der Dinge". Ist die eingebaute Elektronik nicht mehr kompatibel mit dem neuesten Update, müssen dann noch funktionierende Geräte trotzdem ersetzt werden.