Es ist bereits dunkel als die kleine Gruppe der "Wiener Zeitung" bei der Druckerei Herold im Arsenal im 3. Bezirk ankommt. Die Seite drei ist soeben aus dem Verlag im Medien-Quartier freigegeben und in die Druckerei geschickt worden. Leere, graue Druckplatten hängen an den Wänden. Das Layout-PDF wird um 18.30 Uhr auf Aluminiumplatten in den vier Grundfarben belichtet. Jede einzelne Druckplatte ist für eine Farbe zuständig: Magenta, Cyan, Gelb und Schwarz.

Aus einer großen weißen Papierrolle entstehen 10.000 Exemplare

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Herold Druck und Verlag AG
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Thomas Unterberger, CEO und Vorstand der Druckerei, erklärt, wie die Rädchen ineinander greifen. Es sei wichtig, dass die Seiten aus dem Verlag nicht alle gleichzeitig ankommen, denn an jedem Abend wird nicht nur die "Wiener Zeitung", sondern auch die "Presse" und die Gratis-Zeitung "Heute" gedruckt – und zwar außerordentlich schnell. Die Druckplatten werden in die Druckmaschine gespannt, die großen Papierrollen werden von einem Stock darunter hochgezogen, automatisch zugeschnitten und bedruckt. Das dortige Druckverfahren, das zum Einsatz kommt, heißt Rollen-Offset-Druck. Der Andruck beginnt kaum sichtbar. Ein Mitarbeiter nimmt schnell hintereinander eine noch fast weiße Zeitung vom Fließband und wirft sie in einen Papierkorb. Der Druck wird stärker und wenige Sekunden später hängen unzählige "Wiener Zeitungs"-Exemplare hoch oben über den Köpfen der Besucher-Gruppe. "Dort oben hängend wird die Zeitung trocken", so Unterberger. Ab wann der Andruck genommen wird, sei gar nicht so einfach, erklärt der Vorstand, und hänge von der Qualitätskontrolle ab. Ab wann ist die Druckfarbe stark genug? Wie viele Exemplare soll man aussortieren, die noch nicht perfekt sind?

Von dem Raum mit den vielen grauen Alu-Platten der einzelnen Seiten, der Druckmaschine auf einer räumlich höheren Ebene und den großen weißen Papierrollen unten, geht es in die große Expedit-Halle. Dort offenbart sich ein interessantes Schauspiel. Unterschiedliche Zeitungen und Print-Produkte laufen auf einem eigenen Förderband, hoch oben, scheinbar wirr durcheinander aber mit einem perfekt ausgeklügelten System auf Schienen. Manchmal fällt ein Exemplar hinunter. Zum Abschluss werden die Pakete automatisch geschnürt. Die Fahrer warten schon. Mitten in der Nacht setzen sie sich ins Auto, um die Zeitung innerhalb Österreichs auszutragen. "Verzögerungen können wir uns nur bis zu einem gewissen Grad leisten" lacht Unterberger. Denn auch in Vorarlberg warten die Trafiken am frühen Morgen schon auf Exemplare der ältesten Tageszeitung der Welt.