Deutlich früher als geplant wird das digitale Antennenradio DAB+ sein Netz in Österreich vergrößern. Die eigentlich erst für Ende März 2020 vorgesehene, zweite Ausbauphase wurde vorgezogen und wird schon am 11. Dezember starten, teilten die Betreiber, eine Gruppe kleiner DAB-Radiosender, am Donnerstag mit. Die Ausbaustufe umfasst die Sendeanlagen Innsbruck-Patscherkofel, Salzburg-Gaisberg und St. Pölten-Jauerling. 77 Prozent der Bevölkerung sind daher noch vor Weihnachten mit DAB+ Empfang versorgt. Start von DAB+ war Ende April dieses Jahres.

77 Prozent der Bevölkerung können noch heuer DAB+ empfangen. - © unsplash
77 Prozent der Bevölkerung können noch heuer DAB+ empfangen. - © unsplash

Neun nationale und acht regionale Digitalradios waren von Anfang an bei DAB+ dabei, mittlerweile hat sich die Digitalradiofamilie auf insgesamt 22 Sender vergrößert. Durch die vorgezogene Netzabdeckung verschieben sich auch die weiteren Ausbaustufen nach vorne: Am 26. Mai 2020 kommen die Sender Bruck Mur-Mugel sowie Rechnitz-Hirschenstein dazu, die letzte Stufe in Kärnten erfolgt am 25. August 2020.

Problem dabei: Noch immer werden in Österreich im großen Stil Radiogeräte ohne DAB-Empfang verkauft. Diese können DAB nicht empfangen und sind daher weder in der Lage, das gesamte Radio-Angebot abzuspielen, noch sind sie zukunftssicher. Das müsste nicht so sein, denn die EU hat deren Verkauf bereits in einer Richtlinie eingeschränkt. Diese ist jedoch in Österreich noch nicht umgesetzt. In einem gemeinsamen Brief an Verkehrsminister Andreas Reichhardt und Außenminister Alexander Schallenberg sprechen sich mehrere Branchenverbände daher dafür aus, auch in Österreich eine DAB+-Empfangspflicht für alle Radioempfangsgeräte einzuführen, wie sie im Europäische Kodex für die elektronische Kommunikation (EECC) als Vorgabe vorgesehen ist.

Bei den Digitalradios hofft man, dass die Übergangsregierung den Kodex umsetzen wird. Sollte damit auf die neue Bundesregierung gewartet werden, sieht man schwarz für eine rasche DAB-Pflicht. Dem Vernehmen nach soll das gesamte Telekom-Gesetz neu gefasst werden, eine Novelle noch zuvor scheint unwahrscheinlich.

Unterzeichnet ist der Appell vom Verband Österreichischer Privatsender, der Fachverband der Telekommunikations- und Rundfunkunternehmen, der Fachverband der Elektro- und Elektronikindustrie in der WKO, der Verein Digitalradio Österreich, die Österreichischen Rundfunksender GmbH sowie vom Verband Österreichischer Zeitungen.

"ORF hat interveniert"

"Das Senderangebot entwickelt sich stetig weiter, etliche Radiosender bereiten sich unseres Wissens bereits intensiv auf die digitale terrestrische Verbreitung vor oder stehen wie beispielsweise Radio NJOY 91.3 kurz vor dem Markteintritt. Ich rechne im Laufe des nächsten Jahres mit rund 30 Digitalradiosendern in Österreich", freut sich der Vorsitzende von Digitalradio Österreich, Wolfgang Struber, über die immer größer werdende Digitalradiofamilie.

Für Ärger sorgt bei den DAB-Betreibern das Agieren des ORF. Nicht nur dass der staatliche Rundfunk aus rein protektionistischen Motiven noch immer die Ausstrahlung seiner Radiosender im DAB-Format verweigert, soll im Vorfeld der laufenden Regierungsverhandlungen bei Türkis und Grün gegen DAB+ interveniert worden sein. ORF-Chef Alexander Wrabetz soll dabei hinter verschlossenen Türen DAB+ als "Totgeburt" verunglimpft haben. "Wir fragen uns schon, wann dieser Wahnsinn des ORF eigentlich aufhört", so ein Betreiber zur "Wiener Zeitung".

Dabei kann DAB+ auf Zuwächse verweisen: Neue Radiostationen wie Radio Fantasy, High Live Radio, Hood Music oder Radio SOL erweitern das Programmangebot und bieten den Hörerinnen und Hörern eine große inhaltliche und musikalische Vielfalt.