Die Serie hat alle Zutaten, die eine klassische, gute Detektivgeschichte in der Tradition von Sir Arthur Conan Doyle haben muss. Einen Hauch Mystery, ein Setting um 1900, einen Ermittler mit überlegenen analytischen Fähigkeiten und vor allem richtig knifflige Verbrechen. Bei "Vienna Blood" ist alles da: Nicht umsonst wurde die Koproduktion von BBC und ORF nach der Premiere in Großbritannien im November schon als der neue "Sherlock" gefeiert: Mord, Dekadenz und Geisterbeschwörung und das alles in einem Krimi aus dem Wien der Jahrhundertwende, als Wien noch einer der "Places to be" war.

ORF-Premiere des ersten von drei Teilen ist am Freitag um 20.15 Uhr. Es geht in der Verfilmung nach den Bestsellern von Frank Tallis um den Tod des "Mediums" Charlotte Löwenstein, die sich offenbar selbst umbrachte. Nur: Es fehlt die Tatwaffe. Der herrlich grantige Inspektor Oskar Reinhardt Rätsel (Juergen Maurer) muss ran. Sehr zu seinem Ärger wird ihm der junge Arzt und angehende Psychoanalytiker Dr. Max Liebermann (Matthew Beard) an die Seite gestellt. Der Analytiker stellt sich als Glücksfall für den erfolglosen Kommissar heraus. Regie führte der preisgekrönte rumänischstämmige Österreicher Robert Dornhelm ("Krieg und Frieden", "Das Sacher"), der mit "The Children of Theatre Street" für einen Oscar nominiert war. Über eine erstaunliche österreichische BBC-Produktion.

Vielfach ausgezeichnete Regie: Robert Dornhelm inszenierte den wienerischen BBC-Krimi. - © APA/GEORG HOCHMUTH
Vielfach ausgezeichnete Regie: Robert Dornhelm inszenierte den wienerischen BBC-Krimi. - © APA/GEORG HOCHMUTH

"Wiener Zeitung": Der Dreiteiler "Vienna Blood" wurde nach der Premiere in Großbritannien gefeiert. Ist hier etwas Großes gelungen?

Robert Dornhelm: Ich würde nicht sagen etwas Großes, aber es ist locker und irgendwie sehr stimmig. Ich war ja ursprünglich eher skeptisch, weil das Police-Genre nicht unbedingt meines ist. Aber in Anbetracht dessen, dass es historisch eingebettet ist - noch dazu in einer Zeit, die sehr interessant ist -, fand ich das spannend. Dazu kommen zwei wirklich exzellente Schauspieler, die auch den Witz und die Leichtigkeit verstanden haben, die mir wichtig war. Wenn man das Buch gelesen hat, war ja nicht klar, dass das auch lustig sein kann, aber das hat sich im Spiel der beiden gut entwickelt.

In einigen britischen Kritiken wird die Figur des Psychiaters Dr. Liebermann bereits als der neue "Sherlock" gehandelt. Tatsächlich gibt es im Pilotfilm einige Referenzen.

Das ist wirklich reiner Zufall -vor allem auch deshalb, weil ich "Sherlock" nie gesehen habe. Aber es gibt ein paar andere Referenzen, die mir wichtig waren, nämlich auf den "Dritten Mann". Nicht nur wegen der Szene auf dem Riesenrad, sondern mit dem Haus, in dem wir gedreht haben. Das ist haargenau das Haus vom "Dritten Mann". Von meiner Seite aus sind das Verneigungen vor diesem herrlichen Film.