Es wird auch in diesem Jahr einige Wahlen geben, so weit, so bekannt. Eine Wahl wird dabei aber ganz bestimmt in den Fokus der Weltöffentlichkeit rücken: die US-amerikanische Präsidentschaftswahl, die für den 3. November 2020 angesetzt ist. Wenn in den USA gewählt wird, dann wirft dies schon einige Monate vorher einen großen Schatten voraus, ganz besonders betrifft es auch diesmal die IT-Branche, und da wiederum die Bereiche Cybersecurity und die sozialen Netzwerke.

Was auf den ersten Blick vielleicht keine großen Gemeinsamkeiten erkennen lässt, offenbart bei genauerer Betrachtung eine große Schnittmenge. Es geht um die Sicherheit der Wahlen und die mögliche Einflussnahme durch Dritte. Während die Sicherheitsexperten etwaige Angriffe auf kritische IT-Infrastrukturen verhindern sollen, müssen sich die Betreiber der sozialen Netzwerke um Propaganda und Fälschungen kümmern, beziehungsweise diese unter Kontrolle bringen. Im Mittelpunkt der Überlegungen stehen diesmal aber weniger Texte und gekaufte Präsenz, es soll diesmal den gefälschten Videobotschaften an den Kragen gehen. So will Facebook künftig sogenannte Deepfakes und andere manipulierte Videos aus dem sozialen Netzwerk entfernen. Der US-Konzern erläuterte sein Vorhaben in einem öffentlichen Blog-Eintrag und erklärte dabei auch, dass Filme, bei denen es sich um Parodien oder Satire handle, nicht entfernt werden sollen. Das Problem an dieser Mitteilung ist nun aber, dass niemand sagen kann, wie es Facebook schaffen will, das Echte von der Fälschung zu unterscheiden.

Auf der Suche nach dem Echten

Facebook reagierte zunächst nicht auf Anfragen, wie die Unterscheidung zwischen Deepfakes und Parodien oder Satire gemacht werden soll. Deepfakes sind mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz manipulierte Videos. Darin werden Gesichter getauscht und Menschen Worte in den Mund gelegt, die sie nicht gesagt haben. Auch werden Handlungen gezeigt, die mit den jeweiligen Personen nie stattgefunden haben. Aufgrund immer leistungsfähigerer Computer können diese Manipulationen fast in Echtzeit stattfinden, was im schlimmsten Fall dazu führen könnte, dass während einer Live-Sendung einem Politiker Kriegsdrohungen in den Mund gelegt werden könnten. Wer weiß, wie gerne etwa der US-Präsident über Twitter seine Befindlichkeiten mitteilt, dem könnte bei dem Gedanken ein leichter Schauer über den Rücken laufen.

Im vergangenen Jahr hatte sich Facebook noch geweigert, ein manipuliertes Video zu löschen, das die Chefin der Demokraten im Repräsentantenhaus, Nancy Pelosi, zeigt. Die Gegenspielerin von Donald Trump scheint darin zu lallen und sich immer wieder zu versprechen.

Menschen lassen sich von Bildern und Videos genauso leicht oder vielleicht noch leichter täuschen als von Texten. Daher sind eine rigorose Kontrolle und das Löschen manipulierter Inhalte bei sozialen Netzwerken definitiv angesagt und dringend notwendig. Natürlich heißt das aber im Umkehrschluss nicht, dass Facebook Videos auf den Wahrheitsgehalt prüfen und etwa einen Faktencheck durchführen wird. Was allerdings auch wünschenswert sein könnte, dann aber Experten benötigen würde, die eingreifen müssten. Es bleibt also weiterhin den Menschen selbst überlassen, ob sie Inhalte überprüfen wollen und können. Da der Grad zur Zensur ein schmaler ist, wird sich daran in absehbarer Zeit nichts ändern. Und es werden wohl auch weiterhin Menschen kontrollieren müssen, ob eine Manipulation vorliegt oder der Urheber stimmt.

Und damit sind wir schon beim nächsten Problem: Vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass eine US-Datingseite ein Profil gesperrt hat. An sich nichts weltbewegend Neues, das passiert andauernd. In diesem Fall war es ein Profil unter dem Namen der Schauspielerin Sharon Stone. Auch das wäre noch nichts Aufregendes, denn gefälschte Profile gibt es unglaublich viele. Interessant war daran nur, dass es sich wirklich um Sharon Stone handelte, die über diese App nach interessanten Menschen Ausschau hielt. Erst als Stone sich öffentlich beschwerte, wurde ihr Profil wieder freigegeben. Womit sich die nächste Frage stellt: Wie werden wir uns in Zukunft im digitalen Raum ausweisen müssen? Müssen wir es überhaupt machen? Eine schwere Frage, bei der möglicher Missbrauch gegen mögliche Überwachung und Kontrolle gegengerechnet werden müssen. Denn eine soziale Kontrolle über soziale Medien kann nicht das Ziel einer freien Gesellschaft sein.