Eine Million US-Dollar macht Elton John locker, eine halbe Million die australische Schauspielerin Nicole Kidman. Landsmännin Kylie Minogue spendet über 400.000 Dollar, die Band Metallica 750.000. Die Börsln sitzen derzeit locker bei den Stars, sie alle wollen Australien, das von schweren Buschbränden heimgesucht wird, unterstützen. Das meiste Geld hat aber jemand aufgebracht, der hierzulande bei weitem nicht den Bekanntheitsgrad einer Nicole Kidman hat. Die australische Komikerin Celeste Barber hat auf ihrer Facebookseite einen Spendenaufruf gestartet mit den knappen Worten: "Bitte helft. Es ist furchteinflößend." Sie lukrierte damit bis Mittwoch fast 30 Millionen Euro für die australischen Feuerwehrbrigaden.

Celeste Barber im hautengen Paillettenkleid, das wieder einmal nichts verzeiht. Freilich, so aufgeräumt sieht sie auf ihren sonstigen Fotos auf Instagram nicht aus. Nur das kess herausgestreckte Bäuchlein erinnert an die urkomische Unperfektheit, für die sie berühmt ist. Barber arbeitete als Nebendarstellerin in australischen Serien wie "All Saints", bevor sie sich als Komikerin einen Namen machte. - © Birdie Thompson / Action Press /
Celeste Barber im hautengen Paillettenkleid, das wieder einmal nichts verzeiht. Freilich, so aufgeräumt sieht sie auf ihren sonstigen Fotos auf Instagram nicht aus. Nur das kess herausgestreckte Bäuchlein erinnert an die urkomische Unperfektheit, für die sie berühmt ist. Barber arbeitete als Nebendarstellerin in australischen Serien wie "All Saints", bevor sie sich als Komikerin einen Namen machte. - © Birdie Thompson / Action Press /

Das kann also auch passieren, wenn jemand auf Sozialen Medien viele Follower hat. Aber für so ernsten Content ist Celeste Barber normalerweise nicht bekannt. Soziale Medien sind seit fünf Jahren ihre Kanäle der Wahl, sie ist ein veritabler Instagram-Star. Und zwar deshalb, weil sie die Welt des perfekten Fotos, die auf dieser Plattform mitunter zelebriert wird, erquicklich subversiv unterwandert. In der Domäne der silhouetten-optimierten und gesichtskonturierten Kim Kardashians und anderen makellos gestylten Stars mit ihren schimmernden Dekolletés und Leben ist Celeste Barber eine erfrischende Ausnahme. Denn ihre Mission ist es, diese ausgeleuchteten und arrangierten Bilder auf ihre Alltagstauglichkeit zu prüfen.

Warum stehen die so komisch?

Jeder, der sich bei einer Modestrecke in einem Magazin oder bei den Shootings in "Germany‘s Next Topmodel" gefragt hat, warum können diese Leute nicht a) normal schauen und b) normal dastehen, wird eine große Freude an Celeste Barbers Instagram-Account haben. Da nimmt sie nämlich Fotos aus ebensolchen Modestrecken, aus Werbekampagnen oder von den jeweiligen Instagram-Accounts der Stars oder Models und stellt gegenüber, wie dieses Foto aussehen würde, wenn ein normaler Mensch das macht, was Kim Kardashian und Co. da machen. Also sie selbst. Mit ein bisschen Hüftspeck, mit ein bisschen Doppelkinn, mit fettigen Haaren. Eitelkeit kommt ihr dabei nicht in die Quere: Legendär ist mittlerweile die Kombination, in der eine schlanke Gazelle sich schwerelos aus dem Pool hebt, während sich Celeste daneben abmüht, ihren beachtlichen Hintern mitsamt verrutschter Bikinihose aus dem Wasser zu wuchten.



Sie stellt auch oft die Relationen richtig. Ein wahrscheinlich erotisch gemeintes Bild von einer nur mit Netzstrümpfen bekleideten Dame, die ihre Brüste mit Pizzastücken bedeckt, korrigiert Barber: Bei ihr müssen es schon zwei ganze Pizzen sein.



Nicht nur die absurden Verrenkungen der Models nimmt Barber aufs Korn, auch die bizarren Inszenierungen: Etwa wenn eine blonde Frau mit einem Bikinioberteil, zwei (!) Bikinihosen und einem bis zum Hals hochgeschobenen Shirt angetan in der Gemüseabteilung herumsteht, sieht man bei Barbers Re-Enactment, dass man diese junge Dame im Normalfall - sie hat außerdem Hausschlapfen an - eher psychologischer Hilfe zuführen würde. Barber vollendet die Hipster-Parodie, indem sie dem Bild den Titel gibt: "Wenn man darauf wartet, dass die Avocados in Aktion sind."



Wer glaubt, diese Idee sei aus gesellschaftspolitischem Sendungsbewusstsein entstanden, der ist auf dem falschen Dampfer: "Ich habe damit nicht aus irgendeiner Body-Positivity-Überzeugung angefangen. Ich wollte nur mal darauf aufmerksam machen: So steigen also Berühmtheiten aus ihrem Pool - äh, nein, so steigen Menschen aus einem Pool."

Kurioserweise haben nun auch Modemagazine wie "Vogue Australia" Barbers Popularität für ihre eigenen Zwecke entdeckt und sie aufs Cover gehoben, um ihren Mut zur Selbstironie zu beweisen. Und wohl auch, um neue Kundenkreise zu erschließen. Denn das Potenzial ist beachtlich: Mehr als sechs Millionen Follower hat Barber auf Instagram. Das hilft ihr natürlich auch, ihr Buch "Challenge accepted! 253 Wege, ein Anti-It-Girl zu werden" (ab Februar auch auf Deutsch) an den Mann und die Frau zu bringen. Oder eben, um die australische Feuerwehr ausgiebig zu unterstützen.