Es gibt Dinge, die kann man sich eigentlich kaum erklären. Das bestellte Produkt aus dem Onlineshop sieht weder so aus wie auf dem Bild, noch hält es länger, als der Versand gedauert hat. Dabei war der Artikel sehr gut bewertet gewesen, die anderen Käufer waren geradezu begeistert. Hat man einfach nur Pech gehabt? Mitnichten. In einer Welt des Überangebots waren Online-Bewertungen stets ein wesentliches Kaufkriterium oder zumindest eine Bestätigung für die Produktauswahl.

Wer kann schon unter all den unterschiedlichen Wasserkochern jenes Modell herausfinden, das es wert ist, gekauft zu werden. Ganz zu schweigen von Notebooks, Stirnlampen und so weiter. Kundenbewertungen waren das Missing Link im Onlinehandel. Eine sinnvolle Ergänzung zu Testberichten in Medien, zu (gekauften) Meinungen der Influencer, dem Schön- oder Schlechtreden und den Versprechungen der Hersteller. Gib den Käufern das Kommando, denn sie wissen, was sie in Händen halten. So weit, so gut und so gut auch der Plan. In der Realität gab es dann bald schon erste Probleme - und zwar von mehreren Seiten. Kundenbewertungen sind - natürlich - sehr subjektiv.

Ein Gerät kann technisch einwandfrei sein, wenn aber das Mauve nicht jener Farbe entspricht, die sich der Kunde erwartet hat, wird die Bewertung keine gute sein. Und natürlich könnte der Kellner einfach einmal einen schlechten Tag gehabt haben. Diese "Ausrutscher" würden keine Rolle spielen, wenn eine ausreichend große Menge an anderen Bewertungen diese wieder ausgleichen und in eine adäquate Ordnung brächte, doch hier spießt es sich nochmals. Zum einen werden tendenziell eher schlechte Bewertungen abgegeben, auch wenn sich hier einiges getan hat und Konsumenten um die Bedeutung wissen. Zum anderen löschen Unternehmen schlechte Benotungen von ihren Webseiten oder, sofern es sich um Angebote von Dritten handelt, versuchen darauf Einfluss zu nehmen. Und zu guter Letzt lassen sich Bewertungsplattformen (nicht alle natürlich, aber doch einige) selbst dann auch noch bezahlen, machen Werbung oder verfälschen. Das Geschäft mit gekauften, gefälschten Rezensionen dürfte größer sein, als viele Kunden denken. Den meisten Käufern ist schon seit einiger Zeit klar, dass man sich auf Online-Rezensionen nur bedingt verlassen kann. Doch wie erkennt man eigentlich Fake-Bewertungen?

Fälschungen erkennen

Einige Punkte, die Käufer stutzig machen sollten und Indikatoren für falsche Bewertungen sein können: Zu lange Texte, entweder ist der Käufer sehr verärgert oder die Bewertung ist gekauft. Sind beispielsweise viele Vorteile, Anwendungsbeispiele und Produktdetails erläutert, ist die Bewertung nicht unbedingt vertrauenswürdig. Wem ein Produkt gefällt, der schreibt meist kurz und knapp, warum das so ist. Ebenfalls sehr beliebt, der Enkeltrick - Anekdoten aus dem Familienleben sollen Authentizität vortäuschen, sind aber mit Vorsicht zu genießen, vor allem wenn die Ausführungen dann noch allzu blumig oder voller Werbebotschaften sind. Der Hinweis "verifizierter Kauf" kann hilfreich sein. Er sagt zwar noch nicht viel aus, aber immerhin, zeigt er an, dass ein Kunde ein Produkt wenigstens wirklich erworben hat. Problematisch ist es, wenn Käufer andere Kunden warnen wollen und das Produkt nicht über diese Plattform gekauft haben und somit nicht in dieser Kategorie aufscheinen. Besonders auffällig ist es, wenn Produkte sehr schnell sehr viele Bewertungen haben. Einen Verkaufsstart mit gefälschten Bewertungen anzuschieben, ist aber immer noch eine gängige Praxis. Echte Kunden würden ein Produkt aber wohl erst genauer testen, bevor sie es bewerten. Wer sich unsicher ist, wie vertrauenswürdig ein User ist, sollte, wenn möglich einfach andere seiner Rezensionen lesen. Online-Reputation stellt in diesem Fall eine Möglichkeit dar, mehr Sicherheit zu erhalten. Auch die Namen der Kunden können ein Indiz für Fake-Bewertungen sein. Grundsätzlich sollte man möglichst viele Bewertungen lesen und auch weitere Quellen suchen.