Im Meinungsdschungel

Am Dienstag gab es in Deutschland ein neues Urteil zum Thema Bewertungen. So dürfen Internet-Bewertungsportale ihre Bewertungen mit einer automatisierten Software sortieren. Die Anzeige eines Bewertungsdurchschnitts und das Aussortieren von Nutzerbewertungen nach bestimmten Kriterien seien durch die Berufs- sowie Meinungsfreiheit geschützt, erklärte der Bundesgerichtshof. Gewerbetreibende müssten Kritik an ihren Leistungen und die öffentliche Erörterung geäußerter Kritik grundsätzlich hinnehmen. Hintergrund ist die Klage einer Fitnessstudiobetreiberin gegen das Bewertungsportal Yelp, die sich als zu schlecht bewertet empfand. Sie hatte dem Portal vorgeworfen, nicht alle Nutzerbeiträge für seine Gesamtbewertung zu nutzen. Das Interessante an diesem Fall ist, dass das Fitnesscenter im Februar 2014 (mittlerweile ging der Rechtsstreit über fast sechs Jahre) mit 2,5 Sternen dastand. Die Grundlage für diese Benotung waren lediglich zwei Bewertungen, während 74 überwiegend sehr positive Beiträge unberücksichtigt blieben. Der Teufel steckt nämlich im Detail: Yelp nutzt eine automatisierte Software, um Beiträge in "empfohlene" Nutzerbeiträge und in "momentan nicht empfohlene" zu sortieren. Letztere werden in der Gesamtbewertung eines Unternehmens nicht berücksichtigt. Yelp begründet das damit, Millionen von Beiträgen zu erhalten und mit Hilfe der Software diejenigen heraus zu fischen, "die die Meinung der Yelp-Nutzer am besten wiedergeben", oder auch gefälschte Beiträge herauszufiltern. Es ist ein wahrer Meinungsdschungel und den Durchblick zu behalten oftmals sehr schwer.