Die erfolgsverwöhnte Smartphone-Branche kann mit Niederlagen nicht wirklich gut umgehen. Designfehler werden selten diskutiert, brennende Akkus werden als Benutzerfehler oder auf widrige äußere Umstände zurückgeführt. Und Geräte werden eher einfach ausgetauscht als repariert. Es gibt allerdings einen Bereich, in den schon Milliarden an Forschungsgelder geflossen sind und der für die Konzerne von großer Bedeutung ist - soll er doch die sinkenden Umsätze in einer an sich gesättigten Branche wieder ankurbeln, der trotz einiger Rückschläge in der nahen Zukunft das Leben der digitalen Nomaden wesentlich verändern soll - das flexible und biegsame Display.

Wie viele Menschen kennen Sie, die kein Smartphone besitzen? Man kann in einer westlichen, digitalen Konsumgesellschaft davon ausgehen, dass es nicht allzu viele sind. Der Markt ist gesättigt, große Würfe und Kaufanreize gibt es, bis auf die Kameras, keine mehr. Zugleich steigen die Preise deutlich an. Kaum hatten die Smartphones die 1000-Euro-Grenze durchbrochen, haben die 2000-Euro-Laptops Einzug gehalten und die Verbindung von Handy und Notebook - also die Tablets - erfreut sich eines stabilen Nischendaseins. Was also kann man noch tun?

Das Display an der Tasche für den modischen Kick. - © Royole
Das Display an der Tasche für den modischen Kick. - © Royole

Man schafft eine neue Klasse aus der Fusion von Smartphone und Tablet. Also größtmögliche Mobilität bei einem deutlich größeren Display. Diese Idee ist wahrlich keine neue - unter dem Namen "Phablet" wurden entsprechende Endgeräte schon vor geraumer Zeit angepriesen, doch gab es dabei immer einen Knackpunkt: Waren sie schon einmal mit einer Horde voller iPad-Fotografen unterwegs? Diese Spezies, die es versteht, ein A4-Display in die Höhe zu halten, um ein Bild aufzunehmen, und dabei nicht nur sehr lächerlich aussieht, sondern auch die Sicht raubt? Exakt. Dann verstehen Sie, warum es eine Änderung geben musste. Die Lösung dauerte länger als gedacht - ein paar Kinderkrankheiten (wie oft kann man biegen und falten?) sind nämlich immer noch nicht ausgeschlossen, aber nun gibt es einen Weg. Er lautet: Smartphones zum Biegen und Rollen, Falten und Scrollen. Aus einem durchschnittlich großen Mobiltelefon wird im Fall der Fälle einfach ein Tablet.

Ein Endgerät für alles

Lenovo X1 Fold, ein faltbares Notebook mit viel Bildschirm. - © Lenovo
Lenovo X1 Fold, ein faltbares Notebook mit viel Bildschirm. - © Lenovo

Auf der diesjährigen Elektronikmesse CES haben Konzerne wie Huawei, Samsung und Motorola bereits einige Endgeräte präsentiert. Im Falle von Motorola wird das Kulthandy Razr wiederbelebt und könnte sich tatsächlich wieder zu einem Verkaufsschlager entwickeln. Denn auch hier gehen die Entwickler und Designer gegen den Trend. Das Smartphone wird nicht seitlich aufgeklappt und verbreitert die Displayfläche, sondern nach oben und läutet somit eine Renaissance des Klapphandys ein. Auf den ersten Blick mag dies die Bestrebungen nach einem größeren Display konterkarieren, aber es wird definitiv ein Blickfang. Größere und damit auch für andere Zwecke nutzbare beziehungsweise auch übersichtlichere Bildschirme haben sicherlich ein gewisses Potenzial. Die Endgeräte wären etwas dicker als die aktuellen Modelle, aber nicht wesentlich schwerer. Bei einer doppelt so großen Bildschirmgröße können auch unterwegs Texte geschrieben oder Fotos bearbeitet werden - ganz zu schweigen von mehr Möglichkeiten bei Spielen oder bei komplexeren Anwendungen. Der Bildschirm könnte auch die parallele Nutzung zweier Applikationen unterstützen und auch hier ein neues mobiles Arbeiten ermöglichen. Der Fantasie sind wenig Grenzen gesetzt, es wird in Zukunft dann natürlich auf die Betriebssystem- und App-Entwickler ankommen, ob sie die neuen Chancen auch ergreifen wollen.