Der mächtigste Mann der britischen BBC erklärte seinen Rückzug: BBC-Generaldirektor Tony Hall wird im Sommer zurücktreten und eine neue Führung mit Premierminister Boris Johnson über die Zukunft des Fernsehsenders verhandeln lassen.

Der öffentlich-rechtliche Sender war unter Johnson in die Kritik geraten und soll in Zukunft nicht mehr in der aktuellen Form finanziert werden. Wie genau, ist aber noch zu verhandeln.

Die neuen Zeiten der BBC

Der Generaldirektor des britischen Rundfunks BBC, Tony Hall, hat am Montag seinen Rücktritt angekündigt. Er wolle im Sommer den Weg frei für eine neue Person machen, die mit der Regierung über die Zukunft des Senders verhandeln werde, schrieb Hall an seine Belegschaft. Premier Boris Johnson hatte zuletzt scharfe Kritik am Finanzierungsmodell der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt geübt.

In seinem auf der BBC-Homepage veröffentlichten Schreiben verwies der 68-Jährige auf die neuen Verhandlungen des Senders über die gesetzliche Grundlage für das öffentlich-rechtliche Fernseh- und Rundfunksystem der Insel, der sogenannten Charta, die auch die Rahmenbedingungen für die Finanzierung stellt. Im Regelfall muss alle zehn Jahre über sie entschieden werden. Eine Zwischenprüfung steht 2022 an, die Charta läuft dann 2027 aus. Hall, der 2012 zum BBC-Generaldirektor ernannt wurde, sollte beide Verhandlungsphasen überwachen. Beides, so der Medienmanager, soll jetzt ebenfalls von derselben Hand geführt werden.

"Ich liebe die BBC

Das Interesse der Organisation müsse an erster Stelle stehen, betonte Hall in dem Schreiben weiter. Die Entscheidung sei ihm schwergefallen. "Ich liebe die BBC", schrieb er. "Würde ich meinem Herzen folgen, dann würde ich niemals gehen wollen."

Politisch hatte es Hall allerdings nicht immer leicht. Die Beziehung zwischen Johnsons Konservativen und der BBC gestaltet sich schon lange schwierig, weil sich der Premierminister weigerte, an Debatten und Interviews des Senders teilzunehmen. Johnson warf dem Rundfunk eine zu Brexit-kritische Berichterstattung vor und stellte im Wahlkampf das Finanzierungsmodell der BBC, das dem des ORF ähnlich ist, infrage. Er habe zwar keine Pläne, die Rundfunkgebühren vollständig abzuschaffen, sagte Johnson damals. Aber man müsse sich fragen, ob diese Art der Finanzierung langfristig Sinn habe.

Die BBC finanziert sich zu 75 Prozent aus den Gebühreneinnahmen, rund 3,7 Milliarden Pfund (4,35 Milliarden Euro) im vergangenen Jahr. Das bedeutet eine jährliche "Lizenzgebühr" von 154,50 Pfund für jedes Fernsehbudget. Den Rest steuert der Verkauf von Fernsehproduktionen bei. Werbung ist bei der BBC streng reguliert, damit die Anstalt nicht ihre staatlich­zugewiesene Neutralität und ihre Reputation riskiert. Die BBC erreicht jede Woche mehr als 420 Millionen Menschen weltweit.

Hall wies die Kritik, parteiisch zu sein, vehement zurück und betonte stets politische Unabhängigkeit der BBC. "In einer Ära gefälschter Nachrichten bleiben wir der Goldstandard für Unparteilichkeit und Wahrheit", heißt es in seinem Brief an die Belegschaft. Auch Labour-Abgeordnete hatten zwischenzeitlich dem Sender vorgeworfen, Journalisten würden unkritisch konservative Quellen wiedergeben.

In den kommenden Wochen werde sich der Sender auf die Suche nach einem Nachfolger machen, sagte BBC-Präsident David Clementi laut Deutscher Presse-Agentur in einer Stellungnahme. "Wir wollen den bestqualifizierten Kandidaten für die Stelle auswählen", sagte der Aufsichtsratsvorsitzende. Clementi lobte Hall als "inspirierende und kreative Führungspersönlichkeit, sowohl innerhalb des Vereinigten Königreichs wie auch weltweit". Die BBC könne sich glücklich schätzen, ihn in den vergangenen sieben Jahren als Generaldirektor gehabt zu haben.

(apa/reuters)