Als "Star Trek: The Next Generation" am 28. September 1987 zum ersten Mal ausgestrahlt wurde, lebte Patrick Stewart nur aus seinem Koffer, in der Annahme, dass die Serie bald abgesetzt werden würde. Der renommierte Shakespeare-Schauspieler sah in seinem Ausflug ins Science-Fiction-Fach einen gut bezahlten Kurzjob, zudem hatte sich "Star Trek"-Schöpfer Gene Roddenberry auch entschieden gegen sein Casting ausgesprochen.

Doch wie immer im Leben kommt letztendlich alles anders. Heute ist sein Jean-Luc Picard, der britischste Franzose der ganzen Galaxis, eine der beliebtesten Figuren des Franchise. Sein popkulturelles Vermächtnis ist auch in dessen bedeutendster Währung zementiert: Keine "Star Trek"-Figur hat so viele Internet-Memes aufzuweisen wie Picard - angefangen beim vielfach verwendbaren Ungläubig-oder-genervt-sich-an-den-Kopf-greifen. Es ist somit nicht verwunderlich, dass es der Captain der "Enterprise" D und E sein würde, dem CBS ein eigenes Spin-off anbieten würde. Doch Anlass zu Zweifel waren gegeben. Den gespannt erwarteten Neufassungen fürs Kino (mit Chris Pine statt William Shatner als Captain Kirk) waren schnell die Puste ausgegangen, die Serie "Star Trek: Discovery" (auf Netflix) spaltete die Fanbase, da sie sehr lose mit Ton und Kanon des Universums umging.

Jeri Ryan als Seven of Nine, diesmal im Pulli statt im sexy Overall. - © CBS/Amazon
Jeri Ryan als Seven of Nine, diesmal im Pulli statt im sexy Overall. - © CBS/Amazon

Desillusioniert von Sternenflotte

"Picard" scheint diese gegensätzlichen Pole vereinen zu können. Die Serie ist eine liebevolle Weiterführung des Universums, wird aber inhaltlich nicht von Nostalgie vereinnahmt. Stewarts Auflage für eine Rückkehr war, diesmal außerhalb der Sternenflotte zu agieren. Sein Picard ist nicht nur gealtert, er ist desillusioniert von der Organisation, der er sein Lebenswerk gewidmet hat, und lebt zu Beginn zurückgezogen auf seinem Weingut in Frankreich.

Wiedersehen: Captain Picard (Patrick Stewart) und Commander Riker (Jonathan Frakes). - © Amazon/CBS
Wiedersehen: Captain Picard (Patrick Stewart) und Commander Riker (Jonathan Frakes). - © Amazon/CBS

Picards Schwachpunkt mag zwar schon immer sein überzogener Idealismus gewesen sein. Für manche Fans wird dieser fehlbare Ex-Captain, der sämtliche Brücken abgebrochen hat, zunächst schwer zu verdauen sein. Doch genau in diesem Bruch mit der Legende liegt der Reiz.

Der Unwille der Föderation, ausnahmslos alle Romulaner als Flüchtlinge aufzunehmen, bevor eine Supernova ihren Planeten zerstörte, spannt Verbindungen zur gegenwärtigen Politik eines Brexits oder eines Donald Trumps. Künstliche Lebensformen sind verboten, nachdem diese abtrünnig wurden und den Mars attackierten. Mit der utopischen Vision, die Gene Roddenberry vor 54 Jahren in "Raumschiff Enterprise" verwirklichte, ist das alles zunächst schwer vereinbar. Doch die Autoren verknüpfen diese neuen Ideen gekonnt mit altem "The Next Generation"-Material. Die Borg und das Maß eines künstlichen Menschen werden ebenfalls neu aufgegriffen.

Eine persönliche Mission

Machen wieder einmal Probleme: Romulaner. - © Amazon/CBS
Machen wieder einmal Probleme: Romulaner. - © Amazon/CBS

Picard nimmt sich zu Beginn der Serie der jungen Dahj (Isa Briones) an, die von romulanischen Geheimagenten verfolgt wird. In seinen Nachforschungen, was das Geheimnis hinter ihrer Herkunft sein könnte, entdeckt Picard eine unerwartete Verbindung zu dem verstorbenen Commander Data. Und wer den Captain kennt, der weiß: In persönlich motivierten Missionen geht er besonders auf.

Dieses Weltenbilden hat jedoch seinen Preis. "Picard" bastelt fast zu ausgiebig an seiner Mysterybox. Verbunden mit den Unmengen an Informationen, die man erfassen soll, und Namen, die man kennenlernen muss, gewinnen die ersten Episoden nicht so recht an Fahrt. Aber es gibt Gastauftritte von Jeri Ryan, einst bekannt als vollbusiges "Borg-Babe" Seven of Nine, und Jonathan Frakes (Commander Riker in "The Next Generation"). Und der Anblick von Picard auf der Brücke, als er endlich wieder zu neuen Abenteuern aufbrechen und die Galaxie retten kann, macht sowieso alles wett. Energie!