Wenn von neuen Technologien wie Algorithmen, Robotik oder Künstliche Intelligenz die Rede ist, dann mischen sich darin auch immer diffuse Ängste. Die KI, so ein Drohszenario, könnte die Herrschaft übernehmen und die Menschheit unterjochen. Doch die Angst vor der Technik ist so alt wie die Technik selbst. Schon bei der Erfindung des Buchdrucks gab es Befürchtungen, die Fülle an Druckerzeugnissen würde zu einer Informationsflut führen.

Der Philosoph Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716) klagte seinerzeit, dass das "Bücherwesen fast ad infinitum geht" und "wegen der übergroßen Menge" nicht zu bewältigen sein werde. Eine Klage, der sich viele Zeitgenossen anschlossen. Wenn jährlich 100 oder gar 1000 neue Bücher hinzukommen, würden "gute Bücher durch schlechte wegen der Neugierigkeit der Menschen ausgestoßen werden und viel nützliche Nachrichtungen entweder verloren gehen oder doch fast unbekannt werden und letztlich in dem abscheulichen Wald der unzählbaren Bücher wohl nicht mehr werden gefunden werden können", schrieb Leibniz. Dass in Deutschland pro Jahr gut 78.000 Neuerscheinungen auf den Markt kommen und eine Wissensgesellschaft über Suchmaschinen organisiert wird, hätte sich der Philosoph nicht träumen lassen. Doch die Frage "Wer soll das alles lesen?" ist nicht neu, im Gegenteil.

Schon der Stoiker Seneca sorgte sich im ersten Jahrhundert nach Christus um eine Zerstreuung des Geistes. "Die Menge der Bücher zerstreut. Da du also nicht so viel lesen kannst, als du haben möchtest, so genügt es, so viel zu haben, als du lesen kannst." Über die Aktualität von Seneca und sein Plädoyer für eine Ökologie der Information ließen sich ganze Seminare bestreiten. Man kann darin auch eine Kritik an Smartphones und deren ablenkender Wirkung lesen. Das ist ja das Bemerkenswerte an den Zitaten von Seneca und Leibniz: Dass sich die Sorgen der Menschheit über die Jahrhunderte nicht verändert haben - und zwar unabhängig von ihren Technologien.

Teufelszeug Gramophon

Auch bei der Erfindung des Radios wurden Sorgen geäußert, das Medium würde die jungen Leute ablenken und ihre Konzentrationsfähigkeit mindern. Im Jahr 1936 berichtete das biedere und verstockte Musikmagazin "Gramophone", dass Schüler "die Gewohnheit entwickelt haben, ihre Aufmerksamkeit zwischen der monotonen Vorbereitung ihrer Schulaufgaben und der zwingenden Aufregung des Lautsprechers zu teilen". Nachdem 1979 der erste Walkman von Sony verkauft wurde, lamentierten Kulturkritiker, das Gerät isoliere.