Auch dem Telefon schlug vor seiner Einführung Skepsis entgegen. Die "New York Times" warnte 1876 in einem Leitartikel, dass sich die Opernhäuser und Kirchen leeren könnten, wenn das Telefon Musik in alle Häuser transportiert. Was sich bekanntlich nicht bewahrheiten sollte. Insofern, als Film- und Tonmitschnitte durch Mobiltelefone die Urheberrechte von Musikproduzenten bedrohen, hat die Zeitdiagnose aber auch etwas Triftiges. So verbieten immer mehr Künstler Smartphones auf Konzerten.

Die Vorbehalte gegenüber der Telefonie hielten sich in die 1930er Jahre, als bereits tausende Kilometer Telefonkabel gelegt waren. So berichtet der "New Yorker" 1933 darüber, dass Menschen bei Gewittern einen Bogen um Telefonapparate machten, weil sie Angst hatten, dass der Blitz darin einschlagen könnte. Und natürlich gab es schon damals Bedenken, die Telefone könnten zu Spionagezwecken missbraucht werden. Als die berühmten Bell Labs 1930 ihr Ikonophone, einen Vorgänger der modernen Videotelefonie, vorstellten, malte ein Karikaturist die Gefahr, dass Frauen unter der Dusche gefilmt werden.

Die Erfindung der Fotografie löste im 19. Jahrhundert ebenfalls Sorgen vor Eingriffen in die Privatsphäre aus. 1890 postulierten die Rechtswissenschafter Samuel D. Warren und Louis D. Brandeis in der "Harvard Law Review" das "Das Recht auf Privatheit", das explizit auf die Fotografie Bezug nimmt und als Abwehrrecht gegen die öffentliche Abbildung entwickelt wird. Die Autoren schreiben: "Fotografische Momentaufnahmen und das Zeitungsgeschäft sind in die heilige Umgebung des privaten und häuslichen Lebens eingedrungen. Und durch viele mechanische Geräte droht es Wirklichkeit zu werden, dass, was auf der Toilette geflüstert wurde, vom Dachfirst aus proklamiert werden wird." Vor dem Hintergrund der allgegenwärtigen Smartphone-Fotografie erscheint der Aufsatz in ganz neuem Licht.

Nicht immer gelang es in der Vergangenheit, den technischen Fortschritt rechtlich einzuhegen. Zuweilen wurde er auch durch irrationale Technikskepsis blockiert. So ließ US-Präsident Benjamin Harrison, der von 1889 bis 1893 das Land regierte, das Licht im Weißen Haus ausknipsen, weil er Angst vor Stromschlägen hatte. Dunkelmänner gab es freilich auch in der Katholischen Kirche. So verbot Papst Gregor VII. 1831 die Gasbeleuchtung im Kirchenstaat, weil er fürchtete, dass zusätzliche Stunden Licht in der Dunkelheit das Risiko einer Rebellion erhöhten. Die künstliche Beleuchtung der Nacht wäre ein Verstoß gegen die Gebote Gottes gewesen.

In der historischen Rückschau zeigt sich, dass sich nicht alle Befürchtungen im Hinblick auf die Technik bestätigt haben. Angesichts der zunehmenden Überwachung und Cybergefahren kann eine gesunde Technikskepsis jedoch nicht schaden.