Die Veröffentlichung des Fotos, das Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) beim Essen eines Burgers zeigt, ist medienethisch zulässig. Das stellte der Presserat in einer aktuellen Entscheidung fest.

Koglers Burger-Foto, das im Jänner zunächst vom früheren BZÖ-Politiker Gerald Grosz auf Instagram geteilt und dann von mehreren Medien, darunter oe24.at veröffentlicht wurde, war ein gefundenes Fressen für politische Gegner des Grünen. Die Opponenten tadelten vor allem, dass Kogler, der eigentlich kein Freund der großen Fast-Food-Ketten sein dürfte, dort selbst diniert.

Der Senat 2 des Presserats hielt fest, dass Politiker grundsätzlich weniger Persönlichkeitsschutz genießen als Privatpersonen, da sie bewusst die Öffentlichkeit suchen. Allerdings sei "auch politisch engagierten Menschen ein Privatbereich zuzugestehen, den die Medien respektieren müssen". Da die Bildveröffentlichung einen politischen Konnex aufweise und die Privatsphäre lediglich berühre, überwogen in diesem Fall nach Ansicht des Senats aber die Veröffentlichungsinteressen die Schutzinteressen des Abgebildeten.

Grüne Linie zu Ernährungsfragen relevant

"Dabei spielte es eine Rolle, dass sich zahlreiche Funktionäre, Mitglieder und Sympathisanten der Grünen für gesunde, regionale oder vegetarische/vegane Ernährung aussprechen", heißt es in der Aussendung des Presserats. "Nach Ansicht des Senats muss sich Kogler als Spitzenrepräsentant die positive Einstellung der Grünen zu gesunder und bewusster Ernährung in einem gewissen Maß zurechnen lassen, selbst wenn er diese Einstellung nicht teilt."

Das Burger-Bild hatte nicht nur einen von manchen erhofften "Shit-Storm" entfacht, sondern auch für Sympathiebekundungen in sozialen Netzwerken gesorgt. Kogler selbst nahm die "Burger-Affäre" mit Humor. (apa)