Trotz der Vorwürfe sexuellen Missbrauchs gegen den 84jährigen Regisseur Woody Allen soll noch in diesem Jahr seine Autobiografie erscheinen. Dagegen mehren sich nun Proteste. Nachdem Allens Sohn, der Journalist Ronan Farrow (32), zuletzt die Zusammenarbeit mit seinem Verlag aufgekündigt hat, haben nun Dutzende Mitarbeiter der Hachette-Verlagsgruppe in New York und Boston die Arbeit niedergelegt. Das Buch mit dem Titel "Apropos of Nothing" (etwa: In Bezug auf Nichts) solle am 7. April herauskommen, wie der Verlag Grand Central Publishing, der zur Hachette-Gruppe gehört, am Montag mitgeteilt hat.

"Wir stehen Ronan Farrow und Dylan Farrow und den Opfern sexueller Übergriffe in Solidarität zur Seite", hieß es am Donnerstag nach US-Medienberichten in den E-Mail-Abwesenheitsnotizen einiger Mitarbeiter. Hachette schrieb in einer Mitteilung an US-Medien, das Unternehmen respektiere die Sicht seiner Angestellten und werde den Dialog mit ihnen suchen. Zuvor hatten Allens Kinder Ronan und Dylan auf Twitter gegen das umstrittene Buch protestiert.



"Das Buch ist eine umfassende Beschreibung seines Lebens, sowohl persönlich als auch beruflich, und beschreibt seine Arbeit an Filmen, Theater, Fernsehen, Nachtclubs und Printmedien", hatte es am Dienstag in einer Mitteilung des Verlags geheißen. "Allen schreibt auch über die Beziehungen zu Familie, Freunden und seinen Liebsten."

Gegen Allen liegen seit Jahrzehnten Missbrauchsvorwürfe vor. Seine Adoptivtochter Dylan (34) wirft ihm vor, sie als Kind missbraucht zu haben. Allen hat die Vorwürfe stets zurückgewiesen. Viele Stars haben öffentlich angekündigt, nicht mehr mit Allen zusammenarbeiten zu wollen. Die Veröffentlichung der Autobiografie sei "zutiefst erschütternd", kommentierte Dylan Farrow.

Ihr Bruder Ronan nannte die Veröffentlichung einen "Vertrauensbruch" von Seiten des Verlags, dem er "mangelndes Mitgefühl für die Opfer sexuellen Missbrauchs" vorwarf. Die Berichterstattung des Journalisten über den Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein (67) hatte im Jahr 2017 maßbeglich zum Start der MeToo-Bewegung beigetragen. (apa/gral)