Es ist eine Herkulesaufgabe, die Respekt verdient hat. Binnen weniger Tage nach der Schulschließung ist der ORF nun mit einer neuen, täglichen Vormittagsschiene für die zu Hause sitzenden Schülerinnen und Schüler auf Sendung. Wenn man weiß, dass solche Veränderungen normalerweise Monate an Vorbereitung brauchen wird klar, was das heißt.

Zugegeben, der Anteil an aktuell produziertem Content ist mit rund 20 Minuten noch überschaubar. Den Rest füllten bei der Premiere Mittwochfrüh Dokus aus dem Archiv. Die Doku über ein Tierreservat in Namibia und ein Spaziergang durch den Tiergarten Schönbrunn ist auf der anderen Seite allerdings exakt das, was man momentan braucht. Unaufgeregtes Wohlfühlfernsehen - damit kann man nichts falsch machen.

In den "Freistunde"-Teilen dazwischen ging es dann ans Eingemachte. Erklärungen über das Virus, Video-Botschaften an Oma und Opa, die man momentan nur online oder per Telefon sehen kann. Und - wohl mit einem Augenzwinkern gemeint - ein Beitrag darüber wie man "E-Sportler" wird. Damit sind professionelle Videospieler gemeint. Klar, die Trainingsbedingungen sind momentan umständehalber ideal. Da könnte man also den "Sportunterricht" durchaus auf die Xbox verlegen.

Sitzen auf dem Tisch

Sicherlich, das gewollt jugendliche Outfit der Moderatorin Fanny Stapf im Leoparden-Look und das lässige Sitzen auf dem Tisch bei der Moderation fällt womöglich eher in die Kategorie "gut gemeint" denn "authentisch". Auch mit Lernen hat das ganze weniger zu tun als mit Zeitvertreib. Immerhin stehen hundertausende Eltern unvermittelt vor dem Problem, selbst den Unterricht organisieren zu müssen.

Dennoch: Man muss dem ORF Respekt zollen, so schnell reagiert zu haben. Und das Potenzial für ein Revival des Bildungsfernsehen mit Wohlfühl-Faktor im klassischen Sinne ist auf jeden Fall da.