Wien. Es war 1986, als Sepp Forcher erstmals die Begrüßungsworte "Grüß Gott in Österreich" in die Kamera des ORF sprach. Viele Jahre später würde der urige ehemalige Hüttenwirt zugeben, dass er überzeugt davon war, dass das nicht lange so bleiben würde. Immerhin hatte er sich bei seinen Texten völlige Freiheit zusichern lassen. Auch dass er diese im Dialekt sprechen durfte, war ihm wichtig. Ein Jahr hatte er sich gegeben, "dann wird das sicher zugedreht", so Forcher. Doch er sollte unrecht behalten.

Am Samstag geht die Sendung zum 200. Mal über den Sender. Es ist auch das letzte Mal, denn Forcher beschloss, dass mit 89 Jahren auch einmal Schluss sein müsste. Forcher selbst fällt dazu ein alter Bergsteiger-Spruch aus seiner Heimat Südtirol ein: "Wer langsam geht, geht gut. Wer gut geht, geht weit." Das treffe auch auf "Klingendes Österreich" zu. Das Hauptinteresse war immer, die Schönheit Österreichs zu zeigen. Landschaft, Kultur, Kirchen - und natürlich die Volksmusik. "Österreich ist mehr als nur das Neujahrskonzert mit dem Radetzkymarsch."

Hüttenwirt aus Passion

Dabei war der Beruf des Moderators nicht ganz oben auf seiner Liste, als er am 17. Dezember 1930 als Giuseppe Forcher in Rom zur Welt kam. Aufgewachsen in Sexten (Südtirol), wusste er schon früh, was harte Arbeit ist. Seit 1940 lebte die Familie in Salzburg, wo man im Tennengebirge eine Hütte bewirtschaftete. Den Bergen blieb er auch in der Folge verbunden, war etwa als Bergsteiger und Mineraliensucher tätig. Der familiären Leidenschaft folgend, wurde er mit seiner Frau Helene schließlich Hüttenwirt, bewirtschaftete in Großarl, am Untersberg und am Dachstein sowie später in Salzburg. Immer wieder jobbte er auch mit Moderationen für den ORF Salzburg, als er schließlich 1986 das "Klingende Österreich" übernahm. Geplant war die Sendung eigentlich als Gegenstück zum "Musikantenstadl", der schrillen und oftmals absurden Schunkelsendung, die mit Volksmusik so gut wie gar nichts zu tun hatte. Bei Forcher gab es keine Schenkelklopfer und keine Anzüglichkeiten und es wurde nicht über Oberweiten gewitzelt.

Was für eine Wohltat war da Forchers ruhige und herzliche Moderation. Eine Sendung, oft mehr Meditation denn TV-Unterhaltung. Mehr als 2000 Lied-, Musik- und Tanzgruppen hatten in den Jahren ihren Auftritt beim Sepp, der für seine Sendung vielfach ausgezeichnet wurde. Den Abschluss für Forcher bildeten im Vorjahr die Aufnahmen am Wiener Cobenzl. Für "Die große Liebe - Mein klingendes Österreich" (Sa., 20.15, ORF2) war der Moderator aber in allen Bundesländern sowie seiner Südtiroler Heimat unterwegs, um nochmals die schönsten Bilder und Töne einzufangen.

Eine stolze Leistung

Dass er von sich aus aufhöre, sei "ganz unösterreichisch", wurde Forcher zu diesem Anlass vom ORF zitiert. "Ich brauche mir von niemanden sagen lassen: ,Sepp, lass bleiben, es ist genug.‘ Der Sepp sagt sich das selber. Und zwar nicht im Sinne eines Bedauerns, sondern voller Freude, dass es mir eben gelungen ist, 200 Mal das zusammenzubringen." Eine stolze Leistung.