Der Beginn ist ein Klassiker des Genres und könnte auch in einem Western im Jahr 1890 spielen. Ein Gringo kommt in den Saloon, bestellt ein Getränk. Ein lokales Großmaul fühlt sich gestört und fängt sinnlos Streit an. Sagen wir mal so: Es bekommt ihm nicht gut - landet doch die eine Hälfte von ihm im, die andere vor dem Lokal. Trüge der Gringo nicht den sattsam aus Star Wars bekannten Helm von Boba Fett, es könnte locker Clint Eastwood darunter stecken.

Doch wir sind hier nicht im Jahr 1890. Ja nicht einmal in derselben Galaxie. Denn diese Geschichte, deren Vorgeschmack die Pro7-Zuschauer Sonntagabend kosten durften, spielt bekanntlich in einer Galaxie, weit, weit entfernt von uns. Das Imperium ist untergegangen, Darth Vader, Obi Wan und Meister Joda sind in höhere Sphären aufgestiegen und Luke Skywalker versteckt sich gerade vor der Welt auf seiner einsamen Insel, da die Ereignisse der letzten Trilogie rund um die Erste Ordnung noch nicht stattgefunden haben.

Wir folgen den Erlebnissen des namenlosen Kopfgeldjägers, den alle nur "den Mandalorianer" nennen - eine ehemalige Kriegerkaste, für die nun kein Bedarf mehr besteht. Imperiale Credits sind nichts mehr wert, es blüht der Tauschhandel. Und so bietet der von Pedro Pascal gespielte Figur ein zwielichtiger imperialer Warlord ein gutes Geschäft an. Für ein seltenes Metall soll er einen Gefangenen transportieren. Es stellt sich heraus: Es handelt sich um ein Kind, das derselben Spezies angehört wie einst Meister Joda. Dass dieses in den Memes als "Baby Joda" bezeichnet ist, ist natürlich Unfug. Denn Joda ist längst tot und das Wesen ist trotz seiner kleinen Gestalt schon 50 Jahre alt. Was folgt, ist die Schlacht am OK Corral. Der mandalorianische Haudegen zeigt angesichts der riesigen Kulleraugen unerwartet Mitleid und so beginnt, nach der zu erwartbaren Massen-Schießerei im Staub, eine Reise, die uns weitere sieben Folgen und eine bereits bestellte zweite Staffel lang begeistern soll.

Alles richtig gemacht

"The Mandalorian" ist so ziemlich das, wonach die Star-Wars-Fans nach den wechselnd desaströsen drei Kinofilmen der letzten Trilogie gegiert haben: Eine Star-Wars-Geschichte, die nicht enttäuscht und einen am großen Ganzen zweifeln lässt. Das ist Autor und Produzent Jon Favreau mit diesem Space-Western gelungen. Die Serie spielt zwar im Star-Wars-Universum - und die Vielzahl der Referenzen ist erdrückend -, hat aber nicht den Ballast der zu tragenden Hauptlinie im Gepäck. So kann frei und flockig erzählt werden. Dass "Baby Joda" (der übrigens in alter SW-Tradition von Puppenspielern bewegt wird) naturgemäß bei den Fans der Renner werden wird, war klar. Wir erkennen eine Vielzahl der Spezies wieder, die wir seit "Die Rückkehr der Jedi-Ritter" schmerzlich vermisst haben. Klar, dass das natürlich eine Wohltat für die Galerie der Fans ist.

Dass die neue Serie das Zugpferd des am Dienstag endlich auch in Europa startenden neuen Streaming-Dienstes "Disney+" ist, ist ein kluger Schachzug, der wohl auch im bisher bereits heftig illegal streamenden Europa funktionieren wird. Dafür sorgte wohl auch der Frühbucherbonus von Disney+ (59 statt 69 für das Jahresabo), der mit Mitternacht endet. Es ist wohl nicht nur der Star-Wars-Kosmos, der hier attraktiv ist, sondern auch Marvel und Co sowie die weitreichenden Disney-Inhalte, die den Dienst aufwerten. Dass der Start gerade jetzt in die nahezu europaweite Corona-Isolation fällt, ist wohl kein Nachteil. Wobei natürlich auch Disney die Qualität der Streams wird drosseln müssen.