Wie sehr die Gesichtsmasken mittlerweile schon im Alltag angekommen sind, zeigt sich beim Blick aufs Smartphone beim Einkaufen. Wenn man dann nämlich wieder einmal aufs Neue entdeckt, dass sich das Handy nicht entsperren lässt. Gesichtserkennungstools und Masken sind derzeit noch keine besten Freunde, aber das soll sich in Kürze ändern.

Wettlauf um Demaskierung

Aktuelle Gesichtserkennungssysteme sind nicht auf das permanente Tragen einer Maske vorbereitet - ein Grund, warum in der Öffentlichkeit unter anderem auch in vielen Ländern ein Vermummungsverbot besteht. Die Problematik besteht aber nicht nur bei staatlicher Überwachung oder Kontrolle, sondern auch bei Zutrittssystemen, die auf biometrischen Daten basieren. Das Smartphone zu entsperren, ist wohl noch der alltäglichste Anwendungsfall. Wer also nicht auf Fingerabdruck am Smartphone setzen kann oder will, der ist derzeit leicht eingeschränkt. Apple hat nun ein Update angekündigt, das Abhilfe schaffen soll - es wird allerdings nicht den Träger hinter der Maske identifizieren, sondern lediglich in der Lage sein, zu erkennen, dass eine Maske getragen wird, und dann auf Zahlencode zur Freischaltung wechseln.

Viel komplizierter und aufwendiger ist hingegen der Wettlauf der Hersteller um den automatisierten Blick hinter die Maske. Und nicht nur das. Es gibt keinerlei überprüfbare Zahlen, wie gut Gesichtserkennungstools mit Masken überhaupt funktionieren. Einig sind sich die Experten für Gesichtserkennung, dass Algorithmen im Allgemeinen weniger genau sind, wenn ein Gesicht verdeckt wird, sei es durch ein Hindernis, einen Kamerawinkel oder eine Maske, da weniger Informationen für Vergleiche verfügbar sind. Aber die Interpretationen sind sehr unterschiedlich. "Wenn Sie weniger als 100.000 Personen in der Datenbank haben, werden Sie den Unterschied nicht spüren", sagt Alexander Khanin, CEO und Mitbegründer von VisionLabs, einem Start-up mit Sitz in Amsterdam. Bei einer Million Menschen werde die Genauigkeit spürbar reduziert, und das System müsse möglicherweise angepasst werden, je nachdem, wie es verwendet wird.

"Wir können eine Person identifizieren, die eine Sturmhaube oder eine medizinische Maske und einen Hut auf der Stirn trägt", sagt Artem Kuharenko, Gründer von NtechLab, einem russischen Unternehmen, dessen Technologie in Moskau auf 150.000 Kameras eingesetzt wird. Außerdem verfüge das Unternehmen über viel Erfahrung mit Gesichtsmasken durch Verträge in Südostasien, wo Masken getragen werden, um Erkältungen und Grippe einzudämmen. Laut US-Zoll- und Grenzschutz, der die Gesichtserkennung bei Reisenden nutzt , die internationale Flüge an US-Flughäfen antreten, kann seine Technologie maskierte Gesichter identifizieren.

Diesen Angaben widerspricht jedoch Anil Jain, Professor an der Michigan State University, der sich mit Gesichtserkennung und Biometrie befasst, und meint, dass sich solche Behauptungen nicht einfach überprüft lassen. "Unternehmen können interne Zahlen angeben, aber wir haben noch keine vertrauenswürdige Datenbank oder Bewertung, um dies zu überprüfen. Es gibt einfach keine Validierung durch Dritte."

Es steht aber außer Streit, dass die Algorithmen verbessert werden, künstliche Intelligenz adaptiert wird, um den Blick hinter die Maske schneller zu erhaschen.