Eine Bruchlandung zu überleben ist gar nicht so einfach. In aller Regel geht man nämlich dabei drauf, wenn sich der Metallvogel aus zehn Kilometern Höhe mit der Nase voraus in die Erde bohrt. Und dennoch ist die Filmliteratur voll von Produktionen, die mit einem Flugzeugabsturz beginnen. Die Frage "Was kommt danach?" ist entscheidend, wie etwa alle Fans der Serie "Lost" wissen. Bei "Survive", wie eine der Flagship-Shows auf dem neuen Kurzvideodienst Quibi heißt, ist das nicht anders. Niemand Geringerer als "Game of Thrones"-Star Sophie Turner gibt dort Jane, die - gerade einer langen Psycho-Rehab entkommen - in ein Flugzeug steigt. Das (man darf raten) - crasht. Und so muss Jane mit dem Leben danach zurechtkommen. Aber das ist gar nicht so übel, denkt man an ihr Leben davor.

"Quibi" ist ein neuer Streamingdienst wie Netflix oder Prime. Das wäre an sich nichts Aufregendes, solche Dienste gibt es ja genug. Aber Quibi macht keine Produkte für den großen Schirm, sondern für den kleinen: Streaming für das Handy. "Qui-Bi" steht für "Quick Bits": Keine der Episoden ist länger als zehn Minuten. Was der Qualität aber keinen Abbruch tun soll. Im Gegenteil: Quibi ist Hochglanz-TV, bei dem das Geld scheinbar aus jeder Pore trieft.

Nur die besten Stars, nur die besten Autoren sollen für Quibi aktiv werden. Quibi will Komödien, Dokumentarfilme und Nachrichten anbieten, "alles original und von den größten Namen in Hollywood produziert", wie Mitgründer und Filmproduzent Jeffrey Katzenberg sagt. Kopf der Sache ist die ehemalige eBay-Chefin Meg Whitman. Stars wie Steven Spielberg, Guillermo del Toro und Jennifer Lopez haben bereits Projekte mit Quibi realisiert.

Und woher kommt das Geld? Bei Quibi ziehen die großen US-Studios, darunter Warner, Disney oder NBC, an einem Strang, auch bei der Finanzierung des Projekts. Die Firma hat bereits eine Milliarde Dollar von Investoren wie dem Technologiekonzern Alibaba eingesammelt. Hollywood-Stars wie Leonardo DiCaprio oder Jennifer Lopez sind unter Vertrag. Ziel der Übung: Vor allem junge Menschen, die Medien häufig auf mobilen Endgeräten konsumieren, sollen als Abonnenten gewonnen werden. Der Abopreis ist dabei happig: 8,90 Euro pro Monat werden in Europa fällig. Fraglich, wer da nach der kostenlosen 14-Tage-Periode wirklich noch an Bord bleibt.

Rührende Dollar-Schwemme

Tatsächlich hat man sich für den ersten Schwung ein paar interessante Shows einfallen lassen: So etwa "Thanks a Million", in die man gleich einen ganzen Stapel an Hollywood-Größen wie JLo, Kevin Hart oder Kristen Bell gepackt hat. Die Celebrities überraschen Menschen, die in ihrem Leben eine wichtige Rolle gespielt haben, mit 100.000 Dollar. Die Hälfte davon müssen diese wiederum an einen würdigen Adressaten weitergeben. Wo war doch gleich noch das Umarmen-Smiley?

Ein bisschen erdiger geht es bei der Home-Makeover-Show "Murder House Flip" zu. Hier werden Häuser auf Vordermann gebracht. Allerdings nicht irgendwelche, sondern solche, in denen gemordet wurde. So wird in der ersten Episode das ehemalige Haus einer Serienkillerin aufgemöbelt, die praktischer Weise ihre Opfer im Garten vergraben hat. Wer da schon wohnen will? "Jedes Haus verdient eine zweite Chance!" ist das Motto der Show.

Einen rabiaten Ansatz hat auch die Kochshow "Dishmantled". Hier wird zwei Köchen mit verbundenen Augen ein Gericht per Kanone ins Gesicht geblasen. Sie müssen erkennen, was es ist und es dann nachkochen. Lohn für die absurden Kanoniere: 5000 Dollar. Apropos Dinge in die Luft blasen: In "#FreeRayShawn" bekommt Rayshawn Morris Ärger mit der New Orleans Police, die ihm ein Verbrechen anhängen will. Also bunkert er sich in seiner Wohnung ein - samt Frau und Kind. Und startet eine Social-Media-Kampagne, die ihm freies Geleit bringen soll.

All diese Häppchen sind gute Ideen. Bei vielen fragt man sich jedoch: Warum nur zehn Minuten? Das hätte doch auch ein längeres Format getragen. Auf diese Kernfrage gibt Quibi irgendwie keine Antwort. Und ein Dienst, der seine Kernmessage nicht begründen kann, wird es wohl nicht leicht haben. Trotz enormer Investitionen muss Quibi erst überzeugende Antworten finden.