Was wäre "Shopping Queen" ohne das obligate Küsschen links-rechts von Moderator Guido Maria Kretschmer? Wer würde sich den "Bachelor" oder "Temptation Island" ohne ein bisschen Körperkontakt anschauen? Was wäre "Kitchen Impossible" in geschlossenen Restaurants ohne Gäste - dafür mit maskierten Juroren? Wie eine Abend-Show ohne Publikum wirkt, konnte man sich soeben bei "The Masked Singer" ansehen. Und doch: An die völlig Absenz von Live-Publikum wird man sich wohl vorerst gewöhnen müssen - zumindest, solange bei Veranstaltungen "social distancing" angesagt ist.

Wie so viele Branchen leidet auch das Fernsehen unter der Corona-Krise. Nicht nur, dass den Sendern aufgrund der wirtschaftlichen Turbulenzen die Werbeeinnahmen wegbrechen, steht die Produktion beliebter Formate seit mehreren Wochen mehr oder weniger still. Noch sind aufgrund langer Vorlaufzeiten zumeist genug vorproduzierte Folgen da, doch wird man die Drehlücke von fast drei Monaten demnächst zu merken beginnen.

Bei manchen eher früher als später. Bei "Germany’s next Topmodel" ist das geplante Hallen-Finale im Mai mit 8000 Zuschauern längst abgesagt. Etliche Drehs wurden gestoppt oder verschoben. In der Produktionsfirma RedSeven ist man im "Corona-Modus", wie Geschäftsführer Jobst Benthues sagt. Bei vielen Produktionsfirmen war im März Kurzarbeit angemeldet worden, was ein rasches Wieder-Hochfahren komplizierter macht.

"Neue Bildsprache erforderlich"

Optimistisch gibt man sich bei Vox, das mit beliebten Formaten wie "Shopping Queen" oder "Kitchen Impossible" stark auf Reality-TV setzt. "Aufgrund der bereits in Kraft getretenen und in Aussicht gestellten Lockerungen bezüglich des Einzelhandels sowie des Reise- und Kontaktverbots gehen wir davon aus, dass wir die Dreharbeiten zu Sendungen wie "Shopping Queen" und "Kitchen Impossible" in den nächsten Wochen wieder aufnehmen können", heißt es auf Anfrage. Wie bei allen Produktionen werde vorab ganz genau geprüft, unter welchen Rahmenbedingungen diese stattfinden können. "Der Schutz der Gesundheit aller am Dreh beteiligten Personen hat nach wie vor höchste Priorität", versichert man bei Vox.

Erst am Montag haben sich Produzenten und TV-Sender in Deutschland virtuell getroffen, um an Richtlinien für die Wiederaufnahme von Drehs und Produktionen in Corona-Zeiten zu arbeiten. Sendervertreter von ARD, ZDF und ProSiebenSat1 und RTL2 diskutierten an einem von der Mediengruppe RTL Deutschland organisierten gemeinsamen "Runden Tisch Fernsehen". Als Branche stehe man bei der Wiederaufnahme der Produktion vor praktischen Herausforderungen und wirtschaftlichen Risiken, hieß es in einem von RTL mitgeteilten gemeinsamen - doch etwas vagen - Fazit.

In der Diskussion war den Angaben zufolge ein Leitfadenentwurf der Allianz deutscher Produzenten zum Arbeitsschutz, der gerade entsteht. Zudem ging es bei dem Treffen auch um die Option eines möglichen Ausfallfonds, wenn künftig Drehs wieder abgebrochen oder verschoben werden sollten.

Dabei hat man in der ARD zum Teil die Ampeln wieder auf grün geschaltet. Die Dauerserie "In aller Freundschaft" wird seit 5. Mai unter Einhaltung von strengen Sicherheits- und Hygieneregeln wieder gedreht. Ein externer Sicherheitsspezialist habe auf dieser Basis ein "fundiertes Arbeitsschutz- und Hygienepaket speziell für die Dreharbeiten konzipiert", hieß es dazu. Das hat Folgen: Aus Vorsorge gegen Corona werde bei allen Produktionen auf Szenen mit enger, körperlicher Nähe verzichtet. "Die neue Wirklichkeit - mit dem Gebot des Abstandhaltens - erfordert eine neue Bildsprache. Diese entwickeln wir gerade. Szenen wurden überdacht und Drehbücher umgearbeitet", so MDR-Fernsehfilm-Chefin Jana Brandt.

Insider gehen dennoch davon aus, dass 2020 wohl noch zum "Jahr der Wiederholungen" werden wird.