Es kann manchmal so einfach sein: Für ein paar Euro im Internet zusammengekauftes "Spezial-Equipment", eine Videokamera mit gruselig-grünem Nachtsichtmodus und ein paar Wiener undefinierbaren Alters, die stundenlang in dunklen Kellern sitzen und mit Gespenstern reden. Nun ja: "Reden" ist übertrieben. Denn die umherirrenden Seelen oder "Entitäten" sind ein bisschen schweigsam. Oder unwillig. Oder beides. Denn die "Antworten", die in ein monotones Rauschen interpretiert werden, sind im besten Fall überraschend. Manche spirituell Ungläubige würden ja gar von "glatt erfunden" sprechen.

Willkommen also auf der B-Seite des Streamings-Fernsehens. Zu Sendungen, die der Algorithmus manchmal nach oben spült und die sonst alleine, einsam und vergessen vor sich hinliegen. Wir bitten hier einige vor den Vorhang. Aber bleiben wir noch ein wenig bei "Paranormal Signs Investigations", das aus nicht nachvollziehbaren Gründen in zwei Staffeln auf Amazon Prime läuft. Frei nach dem Motto von Agent Mulder von "Akte X": "I want to believe." Und so kann man in der semiprofessionellen Produktion Alex, Nicole, Jürgen und Chris aus Wien nach einem schier endlosen Equipment-Unboxing-Video zusehen, wie sie angeblich verwünschte Orte untersuchen. Etwa den Friedhof der Namenlosen in Wien, der - zugegeben - nachts schon alleine für sich einen gewissen morbiden Reiz versprüht. Wenn Chris auf einem Grab kniet und ein Diktiergerät zum Grabstein hält und dem Geist sagt: "Du musst da hineinsprechen", dann hat das schon unfreiwillig komische Momente. Wie gesagt: Es kommt nicht viel dabei raus, aber amüsant ist es allemal. Und so viele Produktionen aus Wien gibt es bei Amazon Prime auch wieder nicht.

Doch weiter in der Schrägheitsskala. Eine feste Größe bei Netflix bietet der koreanische Content, der sich vor allem dadurch auszeichnet, dass ihn der Algorithmus in Europa völlig ignoriert. Dabei gibt es unfassbar viele Serien und Filme aus Korea zu sehen, die durchaus einen Blick wert sind. Etwa "The Age of Shadows", ein K-Thriller. Regisseur Kim Jee-woon taucht in die Zeit der japanischen Besatzung Koreas ein. Sein Spionagedrama reiht vor toller 20er-Jahre-Kulisse eine Actionsequenz an die nächste. In "Black" wiederum kommt der Tod persönlich auf die Erde, um eine Mordserie zu lösen, und verliebt sich in eine sterbliche Frau. Hier hat Netflix gleich auf die Synchronisation verzichtet - Untertitel reichen für das kitschige Pathos aber ohnehin völlig aus.

Film Noir meets Suspense

Wir bleiben noch kurz beim Übersinnlichen: "Black Spot" ist eine wilde Mischung aus französischen und belgischen Einschlägen mit Anlehnungen an Film Noir und Mystery à la Alfred Hitchcock. Ort der Handlung ist Villefranche, wo der "Black Spot" liegt. Was das ist, wird nicht verraten, aber die Produktion hat nostalgisches "Blair Witch Project"-Feeling und ruft immer wieder den alten und neuen David-Lynch-Klassiker "Twin Peaks" in Erinnerung. In acht Teilen wird so atemlos durch die Vogesen-Kulisse gehechelt immer auf der Spur nach - erraten! - einem verschwundenen Mädchen.

Apropos Mädchen. Also besser: Halbmädchen. Denn die andere Hälfte von Marina ist ein Fisch, denn die Gute ist eine Meerjungfrau. In der Serie "Zig & Sharko - Meerjungfrauen frisst man nicht!" geht es 198 kurze Folgen lang darum, dass die böse Hyäne Zig atemberaubende Pläne schmiedet, um Marina zu fressen. Das kann der Hai Sharko nicht leiden, denn er ist heimlich in die Meerjungfrau verliebt. Zwar ist die Serie auf dem französischen Canal+ als Kinderprogramm gedacht, doch der Humor und die abgründige Ideenwelt sind alles andere als Kinderkram. Ein bisschen erinnert das alles an den 90er-Klassiker "Pinky and the Brain", der vor Anspielungen für Erwachsene nur so strotzt. Der soll übrigens neu aufgelegt werden, wurde kürzlich bekannt.

Eine völlig zu Unrecht unterbewertete Serie ist auch "Crashing" auf Netflix. Sie ist die erste Serie von Phoebe Waller-Bridge, die später mit der grandiosen Brit-Comedy "Fleabag" den großen Durchbruch schaffte. In "Crashing" spielt Waller-Bridge (die auch die Serie geschrieben hat) einen Teil eines Sextetts, das (bedingt durch die absurden Londoner Immo-Preise) in einem stillgelegten Hospital haust. Klugheit und Witz zeichnet auch dieses schräge Drehbuch aus. Die Serie fasziniert durch ein Ensemble schräger Charaktere und kritisiert die Not junger Großstädter. Ganz ohne Geister übrigens.