Die Medien sind von dem nahezu kompletten Stillstand durch die Corona-Krise im Frühjahr besonders betroffen, da die Werbeeinnahmen praktisch komplett zum Erliegen gekommen sind. Daher hat der Nationalrat schon im April ein Corona-Medienhilfspaket für die Medien beschlossen. Österreichs Tageszeitungen haben aus diesem Titel Ende Mai insgesamt gut 9,7 Millionen Euro an Sonderförderung erhalten.

Welcher Verlag wie viel Geld bekommt, basiert dabei auf der Druckauflage. Inhaber von Tageszeitungen haben einmalig jeweils 3,25 Euro pro Exemplar der durchschnittlichen Druckauflage ihrer Blätter als Druckkostenbeitrag erhalten, um die wirtschaftlichen Auswirkungen der Covid-19-Krise abzufedern. Zugrunde gelegt wurden die Auflagenzahlen des Vorjahres 2019 unter voller Berücksichtigung der Häufigkeit des Erscheinens pro Woche.

Wieviel die Zeitungen im einzelnen bekommen haben, war zunächst nicht bekannt. Mittlerweile hat die Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH (RTR) eine Liste mit den Ergebnissen publiziert. Demnach gingen rund 2,71 Millionen an Österreichs größte Zeitung, die "Kronen Zeitung". Schon auf Platz zwei findet sich ein weiteres Produkt der Verlegerfamilie Dichand: "Heute" erhielt 1,84 Millionen Euro. Auf Platz drei findet sich die Mediengruppe "Oe24" mit 1,69 Millionen Euro, die mit "Österreich" laut Liste der RTR extra noch einmal 344.342 Euro zugesprochen bekamt. Somit ging ein Löwenanteil der Förderung (6,58 Millionen) erwartungsgemäß an die großen Boulevardmedien.

Die "Kleine Zeitung" schaffte es mit 928.906 auf Platz vier, der "Kurier" folgt mit 531.873 Euro. Die "OÖN" erhielten 397.367, die "Tiroler Tageszeitung" 293.965 Euro, die "SN" bekamen 235.842. Erst dann folgen "Presse" und "Standard" mit 220.743 und 221.880 Euro. Der Rest verteilt sich auf kleinere Publikationen und Zweitzeitungen der Verlage. Die "Wiener Zeitung" bezieht als Zeitung der Republik Österreich keine Presseförderung.

"Wir versuchen, mit diesen Maßnahmen - Zusatzfinanzierung der Auflage und Vertriebsförderung für Tages- und Wochenzeitung - den Printsektor abzusichern. Gerade jetzt ist es wichtig, journalistische Arbeit zu unterstützen und zu fördern, um Information und kritische Debatten und Diskurse sicher zu stellen", so die Grüne Kultursprecherin Eva Blimlinger.

Qualität oder Quantität?

Im Vorfeld hatte es allerdings Kritik daran gegeben, dass die Auflagenzahl zum entscheidenden Kriterium für die Höhe der staatlichen Unterstützung gemacht wurden, weshalb rund die Hälfte an Boulevardmedien ging. SPÖ und NEOS sowie die Journalistengewerkschaft, Reporter ohne Grenzen oder der Presseclub Concordia hatten sich daran gestoßen.

Die Regierung hat ihr Medien-Hilfspaket indessen auch um eine Förderung für regionale Wochen- und Monatsmedien erweitert. Deren Anträge wurden durch die RTR erwartungsgemäß abgelehnt, weil sie keine Tageszeitungen sind. Für diese Zeitungen stehen nun drei Millionen Euro im Plan. Wie geplant, wurden auch der Privatrundfunkfonds einmalig um 15 Millionen Euro aufgestockt und der nichtkommerzielle Rundfunkfonds einmalig um zwei Millionen Euro erhöht. In Summe beträgt die Sondermedienförderung derzeit 35,6 Millionen Euro.

Doch auch die EU-Ebene ist gefordert: Erst kürzlich haben eine Reihe europäischer Journalistenorganisationen mehr Geld aus dem Budget der Europäischen Union für die Unterstützung der Medien gefordert.