Die digitale Nachrichtennutzung steigt in Österreich kontinuierlich an. Hauptnachrichtenquelle ist aber nach wie vor das Fernsehen, wie aus der Österreich-Auswertung des Reuters Digital News Reports hervorgeht, die am Dienstag in Wien präsentiert wurde. Gedruckte Zeitungen wurden erstmals von Radionachrichten überholt.

Basis der Studie ist eine Befragung von rund 2000 Österreichern (Befragungszeitraum 16. Jänner bis 17. Februar 2020). Für die Auswertung und Analyse zeichnete ein Wissenschafter-Team der Universität Salzburg (Fachbereich Kommunikationswissenschaft) verantwortlich.

Sowohl bei der digitalen als auch bei der gemischten Nutzung gab es einen Anstieg: Mehr als die Hälfte der Befragten (51,2 Prozent gegenüber 49,3 Prozent 2019) gab an, sowohl Online- als auch Offline-Medien zu konsumieren. 22,1 Prozent (2019: 20,1 Prozent) nutzen hauptsächlich digitale Nachrichtenquellen, 26,6 Prozent (2019: 30,6 Prozent) ausschließlich traditionelle Medien. Vor allem Junge bevorzugen digitalen Content. 41 Prozent der 18- bis 24-Jährigen informieren sich hauptsächlich über diesen. "Traditionelle Quellen bleiben relevant, es gibt aber einen Trend zur digitalen Nutzung", fasste Stefan Gadringer von der Universität Salzburg die Ergebnisse zusammen.

Radionutzung gestiegen

Im Vergleich zum Vorjahr lässt sich außerdem ein starker Anstieg bei der Radionutzung feststellen. Meist genutzte Nachrichtenquelle ist aber nach wie vor das Fernsehen (63,3 Prozent). Dahinter folgt das Radio (57,3 Prozent), das erstmals gedruckte Zeitungen (48,5 Prozent) überholt hat. Soziale Medien stehen mit 44,6 Prozent an vierter Stelle.

Für 36 Prozent der 18- bis 24-Jährigen gelten Soziale Medien als Hauptnachrichtenquelle. Über alle Altersgruppen hinweg sind es 11,3 Prozent - ein leichter Anstieg gegenüber dem Vorjahr (10,5 Prozent), aber deutlich weniger als im internationalen Durchschnitt (20 Prozent). Die am häufigsten genutzten Social-Media-Dienste bei der Informationsbeschaffung sind Facebook (30,4 Prozent), WhatsApp (22,7 Prozent) und YouTube (20,8 Prozent).

Politische Werbung unbeliebt

Mehr als die Hälfte der Befragten (54,3 Prozent) spricht sich gegen politische Werbung auf Facebook, Google und Twitter aus. Bedenken über den Wahrheitsgehalt von Informationen aus dem Internet bestehen vor allem, wenn diese von politischen Akteuren stammen und über Social-Media-Plattformen gefunden werden.Nachdem das allgemeine Vertrauen in Nachrichten in den vergangenen Jahren in Österreich kontinuierlich gesunken ist, zeigt sich 2020 erstmals ein leichter Anstieg (von 38,7 Prozent auf 39,7 Prozent). Zugewinne gab es unter anderem bei den 18- bis 24-Jährigen, Personen mit hohem formalem Bildungsgrad und jenen, die sich als politisch links verorten. Vertrauensverluste gab es bei den 45- bis 54-Jährigen, Personen mit hohem Einkommen und jenen mit politisch rechter Einstellung.

Etwas Bewegung gab es auch bei der Bereitschaft, für Online-Inhalte zu zahlen. 10,6 Prozent (2019: 9,1 Prozent) der Befragten gaben an, im vergangenen Jahr für Online-Nachrichten bezahlt zu haben.

Klimawandel "schwerwiegendes Problem"

Zum ersten Mal wurde auch das Thema Klimawandel in den Report aufgenommen. Hier zeige sich ein "bemerkenswertes Bild", sagte Gadringer. 29,4 Prozent der Befragten sehen den Klimawandel als "äußerst schwerwiegendes Problem", im internationalen Vergleich sind es um gut zehn Prozentpunkte mehr. Um sich über das Thema zu informieren, spielen traditionelle Medien, vor allem das Fernsehen sowie gedruckte Zeitungen, eine größere Rolle als sonst.

Für den internationalen Teil des Reports wurden weltweit über 80.000 Menschen zu ihrer Nachrichtennutzung online befragt. Aus dieser Auswertung geht hervor, dass eine klare Mehrheit Nachrichten bevorzugt, die einen neutralen Standpunkt einnehmen. Außerdem habe sich zu Beginn der Coronakrise ein starker Anstieg der Fernsehnutzung gezeigt, auch die Nutzung Sozialer Medien sei im etwa gleichen Ausmaß gestiegen, berichtete Anne Schulz vom Reuters Institute. Die Printnutzung ging dagegen zurück.

Insgesamt habe die Coronakrise die Nachfrage für Nachrichten erhöht. "Wir vermuten, dass es einen Shift hin zu mehr Bezahlinhalten geben wird", sagte Schulz. (apa)