Damit gerechnet hat sie nicht. Im Gegenteil: Die Corona-Krise und ihre Auswirkungen auf das Kulturleben haben Schauspielerin Natalie Alison nicht besonders optimistisch in die nahe Zukunft schauen lassen. Aber dann rief der "Sturm der Liebe" an und fragte die Wienerin, ob sie in ihre Rolle als Rosalie Engel an den "Fürstenhof" zurückkehren wolle. Für selbständige Künstler kommt so ein Engagement in diesen schwierigen Zeiten fast schon
einem Lottogewinn nahe. Zumal der Ausbruch der Pandemie Alison im März auch um eine Rolle in einer US-Produktion gebracht hat.

Aber auch die Zuseher der Soap haben etwas davon: "Meine Figur ist ja eine lustige, vielleicht wollte man das Publikum damit auch ein wenig aufheitern." Und dass eine altbekannte Figur zurückkehrt, vermittle ja auch Stabilität in der Krise - wenigstens in einer erbaulichen Nachmittagsserie.

In der alltäglichen Produktion derselben hat sich freilich einiges geändert durch die Pandemie. Ein wöchentlicher Corona-Test an jedem Montag ist Pflicht für die Schauspieler und Schauspielerinnen und Komparsen. Am Arbeitsplatz - ob im Studio oder den Außensets - müssen alle die ganze Zeit Masken tragen, auch die Schauspieler, zumindest während der Proben. Wenn tatsächlich gedreht wird, darf man sie natürlich abnehmen - aber nur die Schauspieler.

Quarantäne vor Küssen

Viele Aufgaben mussten die Akteure für mehrere Wochen selbst erledigen, etwa ihr Make-up und ihre Frisur: "Früher konnte man währenddessen noch seinen Text durchgehen, das ging dann natürlich nicht mehr", erzählt Alison. "Inzwischen werden wir wieder - unter Einhaltung der Vorschriften - von unseren Maskenbildnern geschminkt. Nur die Korrekturen am Set nehmen wir selber vor."

Wie auch in Österreich von Filmschaffenden vorgeschlagen, arbeitet die Produktionsfirma Bavaria Fiction mit einem Drei-Zonen-System, das bedeutet, dass niemand am Set ist, der nicht unbedingt notwendig ist. Wo man sonst gemeinsam auf einen Monitor geschaut hat, sitzt das Team nun in gebührendem Abstand voneinander und verfolgt die entstehenden Bilder jeder auf seinem eigenen Tablet oder auf den Bildschirmen. Bevor eine Szene gedreht wird, werden nicht nur die Hände der beteiligten Schauspieler desinfiziert, sondern auch alle benötigten Requisiten. Täglich vor Drehbeginn wird übrigens auch von einem ständig anwesenden Medical Consultant Fieber gemessen.

Alison ist sich der großen Verantwortung bewusst: "Keiner von uns will derjenige sein, der jemanden ansteckt und die Produktion damit wochenlang lahmlegt." Daher hat sie ihre "Heimaturlaube" aus München nach Wien auch drastisch reduziert im Vergleich zu früher.

Wirken sich die Maßnahmen auch auf die Erzählweise in der Serie aus? Gibt es etwa nun mehr Außendrehs und weniger Liebesszenen? Alison hat diesbezüglich nichts bemerkt: "Nein, Außendrehs gab es immer schon recht viele. Und vor Szenen mit Körperkontakt werden die Schauspieler vorab in Quarantäne geschickt."

Wie viele davon Alison selbst absolviert, kann man dann ab Mitte August überprüfen: Dann ist sie voraussichtlich wieder im "Sturm der Liebe" am Bildschirm zu sehen.