Es darf wieder verkuppelt werden: Nina Horowitz hat die ORF-Kuppelsendung "Liebesg’schichten und Heiratssachen" nach dem Tod von Elizabeth T. Spira im vergangenen Jahr übernommen. Die verstorbene Interviewerin sieht sie als Vorbild. Große Änderungen an dem Erfolgsformat stehen nicht an, sagt Horowitz, die viele Jahre bei der ORF-Sendung "Am Schauplatz" erfolgreich war.

"Wiener Zeitung": Wie schwierig ist es, eine sehr genau definierte Sendung wie die "Liebesgeschichten" zu übernehmen? Die Zuseher haben eine sehr klare Erwartung von diesem Format, das sie auch genau dafür lieben.

Nina Horowitz: Es ist vor allem schön, nicht schwierig. Ich hab die "Liebesg’schichten und Heiratssachen" übernommen, weil ich die Sendung toll finde und mir die Interviewführung schon zugetraut habe. Ich arbeite ja seit mehr als zwanzig Jahren als Journalistin. Aber natürlich, die Sendung hat eine unglaubliche Stahlkraft. Das lässt einen nicht kalt.

Toni Spira hat diesem Format durch ihre - sagen wir einmal - sehr präsente Nicht-Präsenz ihren Stempel aufgedrückt? Wie entgeht man der Falle, zu viel von ihrem Stil zu übernehmen?

Ich bin in der Sendung auch nicht zu sehen, weil ich nicht glaube, dass es den Zuschauern etwas bringt. Es geht ja nicht um mich. Diese Sendung gehört mir nicht. Das ist die Sendung der Singles, die die Liebe suchen und denen wir eine Bühne bieten. Zur Frage des Kopierens: Ich denke ja während eines Interviews nicht an andere. Der Mensch gegenüber interessiert mich und da ergeben sich viele Fragen. Das macht man, glaub ich, wie man es selbst spürt. Außerdem mache ich die Sendung ja nicht allein. Alle, bis auf die Sendungsverantwortliche Sharon Nuni und die Redakteurin Stefanie Speiser, sind neu dabei. Bettina Mazakarini hat ihre eigene, sehr gelungene Art zu schneiden. Die Kameramänner Gustl Gschwantner, Alex Tomsits und Hermann Dunzendorfer haben wirklich wunderbare Bilder für die Staffel gemacht. Ich darf da wirklich mit den Besten zusammenarbeiten.

Dem Format (wie auch den "Alltagsgeschichten") wurde gerne vorgeworfen, Menschen "vorzuführen". Wie authentisch sind die Begegnungen mit den Kandidaten und Kandidatinnen wiedergegeben? Gibt es überhaupt Authentizität im Fernsehen?

Selbstverständlich gibt es Authentizität im Fernsehen. Die Menschen erkennen sich schon wieder. Zum Vorwurf des Vorführens: Die "Liebesg’schichten und Heiratssachen" gibt es seit fast 25 Jahren. Die Singles, die sich bewerben, wissen ja, wo sie mitmachen. Das Format will niemanden bloßstellen, auch ich werde das nicht tun. Warum auch? Wir wollen Menschen porträtieren - und das Ziel dieser Sendung im Auge behalten: dass sie sich verlieben.

In der ersten Folge kann man kleinere behutsame Neuerungen erkennen. Was ist Ihr Plan mit dem Format?

Ich will es gern mal bei den kleinen, behutsamen Erneuerungen belassen. Die "Liebesg’schichten und Heiratssachen" sind ein Kultformat. Wir gehen da den Weg von Toni Spira weiter. Es wäre auch schade, wenn nicht. Viele lieben die Sendung.

Die Liebesg’schichten haben der Liebe nie gesellschaftliche Grenzen gesetzt. Und doch gibt es gerade in der jüngeren Generation oft gewisse Schwierigkeiten, sich überhaupt im klassischen Sinne einer Beziehung zu binden. Wie geht man mit diesen verschiedenen fluiden Definitionen von Beziehung um? Beziehung muss ja nicht für jeden dasselbe heißen.

Wir sind sicher nicht dafür da, Lebensmodelle zu bewerten. Man muss nicht gleich zum Traualtar laufen wollen, wenn man bei den "Liebesg’schichten und Heiratssachen" mitmachen will. So ernst muss es nicht sein. Aber erstaunlich viele suchen - jedenfalls dieses Jahr - die große Liebe. Übrigens auch junge Menschen. Aber natürlich nicht alle. Ein Herr aus Wien könnte sich schon vorstellen, eine offene Beziehung zu führen. Aber er geht mit dem Thema auch durchaus selbstironisch um: "Jetzt hab ich nicht einmal eine Frau und red’ schon von mehreren Partnerinnen, die ich in Zukunft vielleicht haben könnte."

Inwieweit war es eine Herausforderung, die Staffel fertigzustellen?

Die Auswirkungen von Covid-19 haben uns alle getroffen. Wir mussten auch aufhören zu drehen. Aber weil wir im Gegensatz zu Filmproduktionen in einem kleinen Team von nur drei Menschen arbeiten, konnten wir im Mai wieder loslegen. Zum Glück. Und so gibt’s 2020 insgesamt wieder zehn Folgen.