Wer immer schon einmal ein Spiel ausprobieren wollte, das in China nicht ohne Beschränkungen genutzt werden kann, der sollte aktuell Nintendos "Animal Crossing: New Horizons" testen. Was das Spiel so gefährlich macht, dass man den Zugang beschränken muss? Ganz einfach: Es ermöglicht Austausch und Protestkundgebungen.

Animal Crossing aus dem Hause Nintendo ermöglicht es den Spielern, ihre eigenen, kunterbunten Inseln zu bevölkern und zu gestalten. Man trifft sich auf einen kleinen Plausch und designt seine Insel. Und genau diese Gestaltungsmöglichkeiten bieten kreativen Köpfen die Chance, auch Protest auszudrücken.

"BLM" und Hongkong

Klare Ansagen und . . . - © Twitter
Klare Ansagen und . . . - © Twitter

In China wird das Spiel offiziell nur mit Server-Beschränkungen verkauft. Dies bedeutet, dass chinesische Spieler nicht mit internationalen Mitspielern in Kontakt treten oder deren Inseln besuchen können. Diese Einschränkungen wurden eingeführt, nachdem der Demokratieaktivist Joshua Wong aus Hongkong damit gegen die Herrschaft Pekings protestiert hat. Wong veröffentlichte auf Twitter einen Screenshot seiner Insel, die mit einem Banner verziert war, auf dem stand: "Free Hong Kong, Revolution now". "Wir versuchen unser Bestes, um eine Insel zu einem Protestort zu machen", sagte Wong damals.

. . . auffällige Plakate. - © Twitter
. . . auffällige Plakate. - © Twitter

Doch nicht nur die Demokratiebewegung setzt Zeichen in dem Spiel - große Solidarität und zahlreiche Aktionen unterstützen derzeit die Anliegen der "Black Lives Matter"-Proteste. Die Spielfiguren werden mit speziell entworfenen Kleidungsstücken ausgestattet und die Inseln bekommen auffällig Werbetafeln und laden so zum gemeinsamen Austausch und diskutieren ein.

Solidarität mit Hongkong. - © Twitter/Joshua Wong
Solidarität mit Hongkong. - © Twitter/Joshua Wong

Wie fragil dieser Aktivismus und die Form des virtuellen Protests ist, zeigen nicht nur die Zugangsbeschränkungen in China. Einige Nutzer berichten, dass es auch schon Gegenbewegungen gibt: so wird der Regierung in Pekings ebenso gehuldigt wie erste "White Power"-Inseln entstehen. Virtuelle Krawalle sind zwar eher nicht zu erwarten, aber es wird interessant zu beobachten sein, wie sich die Aktionen in den kommenden Wochen weiterentwickeln. Auch und gerade wenn der politische Druck auf Nintendo erhöht werden sollte.

Die Computerspielbranche hat sich quer über den Globus dezidiert hinter die Anliegen der "Black Lives Matter"-Bewegung gestellt, hat selbst aber genug mit Rassismus und Sexismus-Vorwürfen zu kämpfen. Weder Minderheiten, noch Frauen sind in Spielen allzu häufig als Hauptcharaktere anzutreffen, oftmals wird mit Klischees oder sexistischen Stereotypen gespielt. Aber angesichts wachsender Kritik und der aktuellen Diskussionen sollte es auch in dieser Branche zu einem Umdenken kommen können.