Die Medien sind besonders von den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise betroffen. Durch das deutliche Einbrechen der Werbung im zweiten Quartal geraten viele Medienhäuser in Schieflage und müssen reagieren. Vor allem im von der Pandemie besonders hart getroffenen UK mit seinem mehrere Wochen dauernden "Lockdown" sind nun die Folgen unübersehbar.

Die britische Tageszeitung "The Guardian" hat angekündigt, wegen der Corona-Krise 180 Arbeitsplätze streichen zu müssen. In einem Artikel auf der Website spricht man von etwa 70 Stellen in der Redaktion sowie weiteren Jobs in der Anzeigenabteilung, im Marketing und im Veranstaltungsservice. Das linksliberale Blatt setzt seit Jahren auf frei abrufbaren Content im Internet und hat keine Paywall. Finanziert wird das vor allen durch Werbung, was das Medium besonders anfällig macht.

Chefredakteurin Katharine Viner und Verlagsleiterin Annette Thomas begründeten die Einschnitte mit dem Umsatzverlust aufgrund sinkender Anzeigenerlöse. Im laufenden Geschäftsjahr sei mit einem Rückgang der Einnahmen in einer Höhe von mehr als 27,5 Millionen Euro zu rechnen. Die Corona-Krise habe zu einer "unhaltbaren finanziellen Perspektive" für die Zeitung geführt. Trotzdem will man an dem "erfolgreichen Modell" festhalten weil man überzeugt sei, "dass es das richtige Modell für die Zukunft ist".

Der "Guardian" ist nur ein weiteres in einer ganzen Reihe von Medien. In der vergangenen Woche hatte der Verlag Reach, der die Boulevardzeitungen "Daily Mirror" und "Daily Express" herausgibt, wegen sinkender Auflagen und Anzeigenerlöse den Abbau von 550 Stellen angekündigt. Der "Daily Mirror" ist eine der wenigen nicht rechten Boulevardblätter auf dem britischen Markt.

Auch die BBC muss sparen und hat das Ziel ausgegeben, die Zahl der Stellen um 600 zu reduzieren. Der Sparplan ist allerdings nicht neu, er wurde nur im Sog der Corona-Krise noch einmal verschärft. Schon im Jänner hatte die britische Rundfunkanstalt in Aussicht gestellt, bis 2022 rund 450 Stellen im Nachrichtenjournalismus abzubauen. Die öffentlich-rechtliche Anstalt erhofft sich dadurch, achtzig Millionen Pfund Ausgaben einzusparen. Insgesamt beschäftigt die BBC rund 22.400 Mitarbeiter, davon rund 6000 im journalistischen Bereich. Der Umsatz der BBC im Jahr 2019 betrug etwa fünf Milliarden Pfund.

Betroffen von den Kürzungen sollen die Fernsehsendung "Newsnight", der Radiosender 5 Live und die "Victoria Derbyshire Show", die tägliche Debattensendung sein. Stellen sollen aber auch im "World Update", den Morgennachrichten von BBC World, wegfallen.

Damokles-Schwert 2022

Dass die BBC ihr Programm reduzieren muss, ist ebenso nicht neu. Bereits 2016 wurde BBC3 eingestellt. Die Rechte an einigen Serien wurden abgegeben und alles andere in den iPlayer verlegt. Zudem soll im Jahr 2022 das Geschäftsmodell der BBC überprüft und 2027 mit der Regierung neu verhandelt werden. Nach kritischer Berichterstattung der BBC in Sachen Brexit und gegenüber dem umstrittenen Premierminister Boris Johnson wird über eine Verkleinerung der Anstalt durch das Kabinett diskutiert. Ein Verkauf von Radio 3 und Radio 4 steht im Raum.