Das Leben kann wunderschön sein. Man trifft sich mit Freunden zum Grillen, lacht im Pool, tanzt und baut auf seiner Insel einen Ort der Freude und des Austauschs. Gerade in Corona-Zeiten ist dies im Alltag nicht möglich, dafür umso mehr in der virtuellen Realität. So überrascht es nicht, dass derzeit Online-Spiele mit Freunden und Simulationen boomen.

So gab etwa Maxis, ein Studio von Electronic Arts, bekannt, dass die Lebenssimulation "Die Sims 4" im letzten Quartal von mehr Spielern als je zuvor gespielt wurde. In diesem Spiel schlüpfen die Spielerinnen in die Rollen virtueller Charaktere und können fernab von jeder viralen Bedrohung Spaß haben. Im neunten Erweiterungspack für "Die Sims 4", das gerade erschienen ist, können Spieler einen nachhaltigen Lebensstil führen und lernen, wie wichtig es ist, in der Gemeinschaft zusammenzuarbeiten, um Großes zu bewirken. Die Verbindung von "Fridays for Future" und Sozialleben scheint in Zeiten wie diesen nachgefragter denn je.

Über den Wolken

Auch wenn die Billigfluglinien so tun, als wäre die Corona-Krise schon vorbei oder nie gewesen, ist die Luft aus der Luftfahrtbranche gerade draußen. Auch wenn der Wunsch nach Urlaub, Sand und Meer groß ist, wollen nur wenige Menschen mit dem Flugzeug verreisen. Doch es gibt sie natürlich auch weiterhin, die Freunde des Fliegens. Und sofern nicht noch mehrere Flughäfen dem Beispiel des Flughafens Taipeh folgen und "Fake-Reisen" anbieten, wird es noch dauern bis man wieder stundenlang über den Wolken reisen kann. Insofern ist es wohl ein Glücksfall für Microsoft, dass die Neuauflage der bekannten Flugsimulation "Flight Simulator" im August in den Handel kommen wird. Es ist der erste Flugsimulator von Microsoft seit dem Flight Simulator X im Jahr 2006 und Microsoft Flight im Jahr 2012. Die kleine Zeitreise wird dadurch noch verstärkt, dass - laut neuesten Meldungen - das Spiel in der Verkaufsversion auf nicht weniger als zehn Datenträgern ausgeliefert werden wird. Der Grund dafür ist unter anderem, dass Microsoft nicht auf Blu-Ray setzt, sondern auf DVDs. Was auf den ersten Blick nach viel klingt, täuscht. Denn die meisten Daten werden über das Internet gestreamt, stützt sich der Flugsimulator doch auf Daten von Microsofts Bing Maps und Algorithmen, um Umgebungen und Städte zu berechnen. Die dreidimensionalen Welt- und Objektdaten von Bing Maps, auf die der Flugsimulator zugreift, sind laut Entwickler Asobo Studios 2 Petabyte groß - eine Datenmenge, die 20.000 Blu-ray-Discs benötigen würde. Wird das Spiel offline gespielt, muss daher auch auf viele Details verzichtet werden. Und wie nun auch bekannt wurde, wird es einen Marktplatz für Dritte geben, auf dem zusätzliche Flugzeuge oder detailgetreu nachgebildete Flughäfen verkauft werden können.

Ein Blick in die wundersame Welt der Simulationen zeigt, dass es ein unglaublich umfassendes Angebot an virtuellen Annäherungen an die Realität gibt - vom Tour de France-Radrennsimulator, bis hin zum Landwirtschafts- und Zugsimulator reicht die Palette. In Ruhe über seine Felderziehen und dabei dem Weizen beim Wachsen zusehen, dürfte in Corona--Zeiten ebenso den Wunsch nach Meditation wie auch nach Natur befriedigt haben. Und es scheint durchaus möglich, dass in den kommenden Wochen die Zugsimulatoren einen regelrechten Boom erleben werden, immerhin wird die Bahn, neben dem Auto, in diesem Jahr das bevorzugte Verkehrsmittel für die Urlaubsreise sein. Ein Autosimulator fehlt hingegen am Markt. Ein bisschen Rallye oder Formel 1, das ja, aber gepflegt mit seinem Cabrio durch menschenleere Gegenden fahren, ist auch am Rechner derzeit nicht möglich. Auch der Bereich der Seefahrt erschöpft sich aktuell in kriegerischen U-Boot-Spielen, einfach mit dem Boot um die Malediven zu segeln ist derzeit noch nicht im Handel verfügbar.

Fußball-Manager spielen

Es fanden sich während der Recherche zu diesem Artikel im Übrigen auch keine Hersteller, die ein Masken-Update im Programm haben - insofern sind viele Simulationen aktuell eigentlich nicht sehr realitätsnah. Aber ein Leben ohne Masken ist vielleicht ja auch genau das, was einige Menschen wieder schnell herbeisehnen. Problematisch wird es für die Spielehersteller mit jedem Monat derUngewissheit - denn eine realistische Abbildung der aktuellen Sportereignisse ist so gut wie nicht möglich. Wer spielt, wo wird gespielt und wie soll man wissen, wer in der kommenden Saison wo spielt. Es ist nicht leicht, ein virtueller Manager zu sein. Apropos Manager, auch ältere Titel erfreuen sich gerade großer Beliebtheit: der Fußball-Manager wird ebenso wieder entdeckt, wie Mad TV, ein unterhaltsamer Fernsehstudio-Simulator aus dem Jahr 1991, der nunmehr als Browserspiel angeboten wird. Auch wenn es keine richtige Simulation ist, aber wenn wir schon bei Medien sind, auch Paperboy wird im Netz wieder angeboten und sorgt für kurzweilige Unterhaltung. Die unfreiwillige Auszeit vom sozialen Leben hat immerhin die Computerspielebranche beflügelt. Interessanterweise sind aber keinerlei Corona-Simulationen angekündigt - etwa wie kommt man, ohne angehustet zu werden, von der U-Bahn in den Supermarkt und wieder zurück? Aber wer weiß, vielleicht arbeitet ja doch schon jemand an einer Simulation des Lock-Down?

Wem eine schnöde Computersimulation nicht reicht, der kann einen Boeing 737-Simulator ersteigern. Das Gebot für den realistischen Nachbau eines Cockpits liegt derzeit bei 25.000 Euro. Wer also immer schon einmal seinen Keller sinnvoll nutzen wollte, der hat nun die Möglichkeit dazu.