Drei Redakteure und mehr als 50 Journalisten verlassen Ungarns führendes, unabhängiges Nachrichtenportal Index.hu. Der Grund dafür ist die Entlassung von Chefredakteur Szabolcs Dull. Dessen Demontage sei der "offene Versuch, Druck auszuüben", heißt es seitens der Journalisten. Diese verlassen das Portal, nachdem sie mit ihrer Bitte um Dulls Wiedereinsetzung beim Vorstandsvorsitzenden auf Granit gebissen hatten. Der Exodus nährt die Sorge um Ungarns Pressefreiheit.

Das Portal Index.hu, das Regierungschef Viktor Orbán kritisch gegenübersteht, hatte im Jahr 2018 ein Barometer hinsichtlich der Unabhängigkeit der Redaktion eingerichtet: grün steht für unabhängig, gelb für Gefahr und rot für den Freiheitsverlust. Im Vormonat stand dieser Status auf Gelb: Der regierungsfreundliche Geschäftsmann Miklos Vazily hatte Kontrolle über die Finanzierung der Website gewonnen. Vor zwei Tagen wurde nun Chefredakteur Dull gefeuert – nachdem dieser vor einer schwindenden Unabhängigkeit gewarnt hatte. Laszlo Bodolai, Kuratoriumsvorsitzender der Index-Eigentümerin MFA, erklärt die Absetzung anders: Dull habe sich als unfähig erwiesen, die inneren Spannungen in der Redaktion nach Vazilys Ankunft zu kontrollieren; das Durcheinander hätte zu sinkenden Inserat-Einkünften geführt. (ag/irr)