Aus Solidarität mit den Journalisten des regierungskritischen Mediums "Index" aus Ungarn hat ihnen die liberale polnische Zeitung am Montag "Gazeta Wyborcza" einen Teil ihre Titelseite gewidmet."Liebe ungarische Freunde, wir sind empört über den brutalen Angriff der (staatlichen, Anm.) Macht auf Euer Portal. In diesem schwierigen Moment sind wir bei Euch und bewundern Eure unnachgiebige Haltung", heißt es dort.Weiters steht auf Ungarisch und Polnisch geschrieben: "Auch in Polen bedroht die autoritäre (Staats-)Macht die Meinungsfreiheit. Wie so oft in der Geschichte brauchen wir wieder eine polnisch-ungarische Solidarität bei der Verteidigung von Freiheit und Demokratie. Zusammenhalten!"

Am Mittwoch war der Index.hu-Chefredakteur, Szabolcs Dull, entlassen worden. Diesem wurde seitens des Kuratoriumsvorsitzenden der "Index"-Eigentümerin MFA, László Bodolai, Unfähigkeit vorgeworfen. Die Entlassung von Dull setzte umgehend eine Welle von Kündigungen durch die Mitarbeiter des Portals in Gang. Am Freitag initiierte nahezu die gesamte, 90-köpfige Redaktion von Index.hu die Beendigung ihres Arbeitsverhältnisses. Am Freitagabend gingen in Budapest tausende Menschen aus Solidarität mit "Index" auf die Straße.

Eine der letzten unabhängigen Stimmen

Index.hu ist die am meisten besuchte Nachrichten-Website in Ungarn und eine der letzten unabhängigen Stimmen in der ungarischen Medienlandschaft. Seit 2010 hatte Regierungschef Viktor Orbán mithilfe ihm nahestehender Geschäftsmänner einen Großteil aller Medien unter die direkte Kontrolle der Regierung gebracht. In der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen (RSF) steht Ungarn nur noch auf Platz 89 von 180.

Im März hatte der Orbán-nahe einflussreiche Geschäftsmann Miklos Vaszily 50 Prozent der Anteile der Agentur Indamedia gekauft, von der Index.hu finanziell abhängt. Vaszily hatte in den Vorjahren bereits öfter eine wesentliche Rolle darin gespielt, mehrere andere Medien auf Regierungslinie zu bringen. (apa)