Mit dem neuen Streamingdienst Peacock von NBCUniversal versucht ein weiteres großes Medienunternehmen, in den Streamingmarkt einzusteigen. Peacock (englisch für "Pfau", das Wappentier von NBC) ist in den USA bereits gestartet und soll in einigen Monaten nach Europa kommen. Der Streamingdienst hat über 15.000 Stunden an Material für sein Publikum bereitgestellt. Mit drei verschiedenen Abomodellen, von gratis mit Werbung bis zu Premium, sollen Neukunden gewonnen werden. Der Preis von umgerechnet 4 Euro bzw. 8 Euro pro Monat für die Premiumabonnements reiht sich in das günstigere Segment der Streamingdienste ein. Bei einer Konkurrenz von Amazon, Disney oder Netflix stellt sich aber die Frage, ob Peacock attraktiv genug für Kunden ist und welche Faktoren für einen erfolgreichen Markteintritt ausschlaggebend sind.

Negativbeispiel Quibi

Mit über 180 Millionen Abonnenten dominiert Netflix derzeit den internationalen Markt, dicht gefolgt von Amazon Prime. Preislich liegt Netflix auf dem zweiten Platz der großen Anbieter, hinter HBO Max, mit einem Preis von 11,99 Euro pro Monat. Peacock würde sich vor Amazon Prime und Hulu einordnen, die jeweils 7,99 Euro und 10 Euro kosten. Damit wäre es wohl in derselben Kostenkategorie wie Disney+, das einen Preis von rund 6,99 Euro verlangt. Beim Markteinstieg macht es auch Sinn, die eigenen Produkte vorerst unter denen der großen Konkurrenten zu bepreisen. Als Negativbeispiel dient hier Quibi, der ebenfalls neue Streamingdienst, der Mini-Serien-Episoden fürs Handy anbietet, konnte mit einem recht hohen Preis von 8,99 Euro bisher nicht am Markt überzeugen.

Der Preis ist aber nicht der einzige Faktor, der im Geschäft mit den Online-Serien zählt. Wichtig ist auch, welcher Streamingdienst die meisten Filme und Serien zeigt. Hier gibt es einen klaren Gewinner: Amazon Prime. Mit deutlichem Abstand zu Netflix findet man hier nämlich über 15.000 Filme und Serien, was wohl rund 100.000 Stunden an Material entspricht. Für Peacock, der mit "nur" 15.000 Stunden wohl eher auf Qualität als auf Breite wird setzen müssen, bedeutet das Eigenproduktionen statt Zukaufen von Content, schlicht und ergreifend, weil dies günstiger ist.

Disney+ und Apple TV+ haben diese Strategie effektiv genützt, um schnell Fuß am Markt fassen zu können. Für Disney+ machen überdies die starken Urheberrechte rund um "Star Wars" den Kern ihrer Strategie aus. Mit "The Office" oder "The King of Queens" und anderen hat Peacock schon starke Eigenproduktionen auf Lager. Zusätzlich will man mit einem umfangreichen Sportangebot, auf sich aufmerksam machen. Fraglich ist allerdings, ob die Urheberrechte von NBCUniversal stark genug sind, um im ersten Jahr an die 50 Millionen Abonnenten von Disney+ heranzukommen, oder ob man eher in die Kategorie von Apple TV+ mit rund 30 Millionen Abos fallen wird. Die Größe von Quibi mit nur rund 2 Millionen Abos wird man in jedem Fall vermeiden wollen, doch allein mit der Kultserie "The Office" sollte Peacock schon rund eine Millionen Abonnenten generieren können.

Gute Bewertung hilft

Auch die Qualität der Inhalte spielt eine nicht unwichtige Rolle. In einer "Wiener Zeitung"-Analyse der Daten von Reelgood wurden die Bewertungen der Filmbewertungsplattformen IMDb und Rotten Tomatoes von über 5500 Filmen und Serien auf Hulu, Disney+, Amazon Prime Video und Netflix analysiert. Ziel war es, herauszufinden, wie stark die Qualität der angebotenen Serien und Filme mit wirtschaftlichem Erfolg korreliert. Es stellte sich heraus, dass Netflix, beinahe gleichauf mit Disney+, das Gesamt-Ranking mit seinem Angebot anführt, mit etwas Abstand zu Prime Video und Hulu. Im Abo-Zuwachs über die letzten Monate, führen ebenfalls Disney+ und Netflix. Dies spricht zumindest für eine gewisse Korrelation zwischen gut bewerteten Inhalten und Zuwachs bei den Abonnenten. Folglich sollte man seitens Peacock noch mehr auf Qualität als auf Quantität fokussiert sein.

Wie kann Peacock nun also erfolgreich werden? Neben einem klaren Fokus auf Eigenproduktionen mit hoher Qualität zum angedachten Preis könnte auch das exklusive Sportstreaming ein wertvolles Alleinstellungsmerkmal von Peacock werden. Allerdings ist das Streamingservice natürlich auch von der Entwicklung des Coronavirus abhängig. Je mehr Leute zuhause bleiben, desto mehr Serien und Filme werden geschaut. Es bleibt abzuwarten, ob der Peacock sein Rad schlägt.