Hört man sich dieser Tage unter den nun nicht mehr benötigten Mitarbeitern der Rechercheplattform "Addendum" um, vernimmt man Resignation nach dem Motto: "Die Dose hat’s gegeben, die Dose hat’s genommen." Gemeint ist die silber-blaue Getränkedose von Red Bull. Denn nach fast genau drei Jahren wird das als Rechercheplattform gestartete "Addendum" eingestellt. Und die "Dose" repräsentiert hier Dietrich Mateschitz, der die Show als Stifter mit Chefredakteur Michael Fleischhacker ins Leben gerufen hatte.

Von "erheblichem Mitteleinsatz" ist da wehmütig die Rede - und das aus dem Mund eines der reichsten Männer der Welt. Das ist schon beachtlich. Immerhin sind von der Einstellung 57 Mitarbeiter betroffen. Das ist eine erstaunlich dichte personelle Ausstattung, die sich sonst Online-Medien nur wünschen können. An der Mannschaft kann es also nicht gelegen haben, dass die (ungenannt bleibenden) "Ziele nicht erreicht wurden". Aufhorchen lässt vor allem ein Nebensatz: "Mateschitz will die von ihm unterstützten journalistischen Aktivitäten stärker auf lösungsorientierte Projekte jenseits der politischen Alltagsauseinandersetzungen konzentrieren."

Zu theoretisch also? Zu viel Hintergrund? Zu wenig klare Ansagen? Ist es das, woran "Addendum" gescheitert ist? In den Augen desjenigen, der die Rechnung zahlte, offenbar ja. Aber kann man das generalisieren? Immerhin ist die "Addendum"-Pleite kein Einzelfall. Schon Fleischhackers Vorgänger-Projekt, das längst vergessene "NZZ.at", ist an der zu geringen Publikums-Resonanz gescheitert. Damals war es das Geld des Konzerns der "Neuen Zürcher Zeitung", das für ein aufwendiges liberales Online-Medium ausgegeben wurde, ohne jemals Renditen abzuwerfen. Kann man sich nach zwei gescheiterten und prinzipiell doch recht ähnlich gebauten Versuchen also darauf einigen, dass für kluge, intellektuelle Online-Medien in Österreich einfach kein Platz ist?

Der Markt gibt es nicht her

Nicht unbedingt. Allerdings mit einer Einschränkung: Den Markt zumindest gibt es offensichtlich nicht her. Ob vom User bezahlt oder von einem Gönner: Österreich ist offensichtlich zu klein, die Schicht der potenziellen Interessenten zu dünn, um den Abgang auch nur irgendwie im Zaum halten zu können. Noch mehr gescheiterte Experimente braucht es nicht, um das als belegt ansehen zu können.

Diese Erkenntnis kann man getrost als weiteren Zeugen für eine umfassende Reform der Presseförderung aufrufen. Diese, oftmals angekündigt, niemals umgesetzt und nun durch die Corona-Krise ohnehin mit kräftigen Zuschüssen verstärkt, bedarf einer grundlegenden Sockelsanierung. So weiterzumachen wie bisher ist der heimischen Medienlandschaft nicht zumutbar (es sei denn, man beschließt, dass man auch ganz gut ohne Qualitätsjournalismus auskommen kann).

Dass es eher eines Mehr als eines Weniger an seriösen Medien bedarf, hat nicht zuletzt die andauernde Corona-Krise gezeigt, die Verschwörungstheorien von Machwerken jenseitiger Spinner in Richtung Mainstream hat wandern lassen. Wenn es politisch passt, wird heute jede noch so dumme Abstrusität hinausgeblasen. Und das, während jene, die den Unfug widerlegen, dezimiert werden.