Zugeben, die erste deutsche Netflix-Serie "Dark" hat die Latte für nachfolgende deutsche Produktionen des Streaming-Dienstes geradezu unfair hoch gelegt. Denn mit "Dark" ist ein Meisterwerk gelungen. Dagegen stinkt man mit mittelgut natürlich gewaltig ab. Nun schiebt Netflix also "Biohackers" nach. Eine Serie rund um das Tabuthema genetische und medizinische Aufwertung und Selbstoptimierung des eigenen Körpers. Ein Thema, das hochaktuell und kontroversiell zugleich ist. Gerade in Ländern, in denen die "böse Gentechnik" die Beliebtheitswerte eines üblen Furunkels am Gesäß hat.

Und doch schaffen es die Macher von "Biohackers" nicht, das Thema so auf den Boden zu bringen, dass eine ordentliche Serie draus wird. Zu den Gründen später. Die Protagonistin ist Mia (Luna Wedler). Sie beginnt ihr Medizinstudium an der Uni Freiburg. Doch schnell wird klar, dass ihr Interesse an revolutionärer "Biohacking"-Technologie nicht nur wissenschaftliche Gründe hat: Sie will das Vertrauen von Prof. Tanja Lorenz gewinnen, mit der sie ein dunkles Geheimnis verbindet. Um den Tod ihres Bruders aufzuklären, begibt sich Mia in eine gefährliche Welt voller illegaler Gen-Experimente. Ihre neue WG hilft ihr dabei.

Ein mühsames Dahinschleppen

Und da sind wir schon beim Problem: Was will uns "Biohackers" nun sagen? Geht es um dunkle Machenschaften? Warum dann die ständigen, fast schon an Slapstick erinnernden Comedy-Elemente? Ist das eine Komödie, warum wird dann ein ernstes Thema von hart an der Peinlichkeit vorbeischrammender Jugendsprache umrahmt? Mias Motive sind völlig unklar, die Exposition der Figuren hölzern und bestenfalls skizzenartig. Die Dialoge schleppen sich mühsam dahin und versprühen den Charme einer schwach synchronisierten US-Teenager-Comedy. In kaum einer Zeile hat man das Gefühl, dass hier mit Esprit agiert wurde. Eher wurde da ein anstehender Auftrag emotionslos heruntergeschrieben.

Das macht es natürlich schwer, sich mit der Belegschaft zu identifizieren: Da haben wir Mias Mitbewohnerin Chen-Lu (Jing Xiang), die gerne an Pflanzen experimentiert. Warum, sagt sie nicht. Ole (Sebastian Jakob Doppelbauer) legt dafür gern Hand an sich. Als er versucht, sich blutüberströmt mit einem YouTube-Tutorial ein Implantat in den Bauch zu setzen, greift Mia ein. Aber nicht, dass sie den Krankenwagen ruft. Sie sagt ihm, er soll das doch desinfizieren. Ole sprüht zweimal mit dem Spray - und gut ist. Das Wort "lebensfremd" kommt einem da in den Sinn. Und dann ist da noch Lotta (Caro Cult), die mit ihrer durchgeknallten Art für Spaß sorgen soll. Es bleibt beim Versuch.

Nun ist es freilich nicht so, dass es nicht tolle Produktionen in Deutschland gegeben hätte, die ein ähnliches Setting hatten. Stefan Ruzowitzkys "Anatomie" etwa, das, wie auch "Biohackers", von Jakob Claussen und Uli Putz produziert wurde. Die Idee, aus dem Stoff mit ein paar leuchtenden Mäusen und Jugendsprache einen Anschlusserfolg zu landen, geht zumindest in den ersten Folgen nur bedingt auf.

Neue Serie, neues Glück

Schon im September kommt übrigens die nächste deutschsprachige Netflix-Serie heraus: In "Freaks" spielt Cornelia Gröschel Wendy, eine hart arbeitende Mutter aus einfachen Verhältnissen, die eines Tages ihre besonderen Fähigkeiten entdeckt. Doch sie ist nicht allein: Mit den beiden Außenseitern Marek (Wotan Wilke Möhring), der unverwundbar ist, und Elmar (Tim Oliver Schulz), der Elektrizität beherrschen kann, will Wendy die Welt zu einem besseren Ort zu machen.