Wir glauben, dass wir immer eine Wahl haben. Etwas tun oder etwas lassen - eine binäre Entscheidung, die wir treffen. Aber stimmt das wirklich? Oder sind es gar nicht wir, die entscheiden, sondern wurde unsere Entscheidung schon getroffen, bevor wir überhaupt in die Situation gebracht wurden? Sitzen wirklich wir am Steuer oder ein Supercomputer in der Nähe von LA, in einem steril-futuristischen Gebäude, gesichert wie Fort Knox?

Zu Beginn der achtteiligen Fox-Mini-Serie "Devs" (Sky) hat der Programmierer Sergei Pavlov (Karl Glusman) eine Erkenntnis, die sein Leben beendet. Sergei wird in der Software-Firma Amaya in eine Elite-Abteilung versetzte. Als er in dem hermetisch abgeschlossenen Räumen den Code vor sich auf dem Bildschirm sieht, ist er erst perplex. Dann bricht er zusammen, als er erkennt, was hier programmiert ist: sein eigenes Leben. Als er mit seiner Spionage-Uhr heimlich Bilder macht und versucht, mit ihnen das Gebäude zu verlassen, wird er vom Amaya-CEO Forest (Nick Offerman) hingerichtet.

Das bringt die Handlung in Gang. Denn seine Lebensgefährtin, die Softwareingenieurin Lily Chan (Sonoya Mizuno), will auf eigene Faust herausfinden, was passiert ist. Sie kann nicht glauben, dass er Selbstmord begangen haben soll, wie man ihr mit manipulierten Videoaufnamen vorgaukeln will. Bei ihren Recherchen stößt sie bald auf ein dunkles Geheimnis.

Zu Beginn ist der Zuschauer genauso ahnungslos wie Sergei und Lily. Nur die herrlich-futuristischen Bilder aus dem Allerheiligsten der Firma lassen ahnen, dass hier Science Fiction läuft. Erst nach und nach dreht "Devs" ab in völlig aberwitzige Gedankengänge, die die Serie von Alex Garland ("Ex Machina") zu einem Meisterstück machen.

Das Übel Quantencomputer

Dabei werden die wohl aktuellsten Fragen berührt: Kann man bei allgegenwärtigen Überwachungssystemen, künstlicher Intelligenz und der Entwicklung leistungsfähiger Quantencomputer noch von Freiem Willen sprechen? Ist man noch frei, wenn die Maschine einen längst durchschaut hat und weiß, wie man sich entscheiden wird? Was, wenn die Technologie die Macht übernimmt und jene, die sie kontrollieren, zu den wahren Herrschern macht?

Die achtteilige Fox-Miniserie darf auf ein erstaunliches Ensemble verweisen, allen voran Hauptdarstellerin Sonoya Mizuno ("La La Land"). Nick Offerman ("Fargo") als herrliche Mischung aus Waldschrat und Mafiaboss gibt das machtbesessene Ekel. Zach Grenier ("Fight Club", "The Good Wife") gibt als Sicherheitschef Kenton den willigen Vollstrecker. Für "Devs" arbeitete Alex Garland erneut mit Rob Hardy zusammen, mit dem er schon "Ex Machina" und "Auslöschung" drehte.

"Devs" startet wie "Dark" langsam und nimmt dann Fahrt auf. Scheibchen für Scheibchen wird das Grauen enttarnt und die Frage, was es mit der übergroßen Statue eines kleinen Mädchens auf sich hat, geklärt. Wie sagt schon Sergei kurz vor seinem gewaltsamen Tod: "Das ändert einfach alles."