Die Internet-Nutzer in Österreich sind mit den verfügbaren Bandbreiten generell zufrieden, auch die jungen Power-User unter 30 Jahren, die das Internet besonders intensiv zum Streamen von Musik und Videos, zum Chatten oder für Online-Games nutzen. Teleworking war schon vor Corona für viele ein Thema, zeigt eine Umfrage, die Telekom-Regulator Klaus Steinmaurer am Freitag präsentiert hat.

Insgesamt sei das Nutzungsverhalten in den letzten Jahren ziemlich stabil geblieben, sagte Steinmaurer. Er ist Geschäftsführer der RTR für den Fachbereich Telekommunikation und Post. Das mobile Breitband habe zuletzt etwas zugelegt: 26 Prozent der Nutzer hätten ausschließlich einen mobilen Internetzugang. Vor fünf Jahren lag dieser Wert bei 21 Prozent, im Jahr 2011 allerdings auch schon bei 25 Prozent. Zwei Drittel haben nach wie vor nur einen festen Internetzugang und 8 Prozent beides.

Bandbreite zufriedenstellend

Mit der Bandbreite ihres Anschlusses sind 88 Prozent der Kunden sehr zufrieden oder zufrieden, wobei die Zufriedenheit in den Landeshauptstädten höher ist als außerhalb. "Wir haben am Land noch einiges an Nachholbedarf, sowohl mobil als auch fest", so Steinmaurer. "Das ist einer der Gründe, warum wir bei unserer 5G-Ausschreibung so sehr auf die Versorgung geschaut haben."

Diverse Studien, wonach es in Österreich vergleichsweise wenige Breitbandanschlüsse gebe, seien mit Vorsicht zu betrachten, sagte der Regulator, da viele Kunden zwar keinen fixen Breitbandanschluss hätten, aber dafür mobiles Breitband. Es gebe auch 50- bis 100-Megabit-Anschlüsse im Festnetzbereich, die zwar nicht mit Glasfaser angebunden, aber für viele Kunden dennoch ausreichend seien.

Die Internetnutzung verschiedener aufgeschlüsselt nach Altersgruppen. - © APA
Die Internetnutzung verschiedener aufgeschlüsselt nach Altersgruppen. - © APA

Teleworking wird wichtiger

Ein wichtiges Thema für viele Menschen sei Teleworking, schon vor dem Corona-Lockdown hätten 24 Prozent der Kunden regelmäßig von zu Hause gearbeitet. Befragt wurden diesmal 2.432 Haushalte im Zeitraum Jänner bis März 2020 und 1.093 Unternehmen, bei denen die Befragung von Jänner bis Mai durchgeführt wurde. Darum sei es umso wichtiger, den Ausbau in den ländlichen Gebieten rasch voranzutreiben, "und nicht nur in den Speckgürteln", so Steinmaurer. "Wir wissen, dass Homeoffice funktioniert, also warum sollte nicht jemand im Waldviertel oder noch weiter oben in Gmünd oder Zwettl wohnen können und nur an zwei Tagen nach Wien runterfahren?"

Unterschiede beim Nutzungsverhalten gibt es abhängig vom Alter. "Die Power-User, die wirklich die guten Netze brauchen, die sind durchwegs jünger als 30 Jahre." Dabei gehe es um Streaming von Videos und Musik, aber auch Online-Gaming. "Online-Gaming ist der Bereich, wo auch Latenz gefragt ist", also die Reaktionszeit bei der Datenübertragung. Die werde sich durch 5G stark verbessern. 5G werde man etwa 2023 deutlich spüren und einen wirklich flächendeckenden Ausbau werde man 2027 haben.

Auslegung der Netzneutralität

Der österreichische Telekom-Regulator begrüßte das EuGH-Urteil vom 15. September, mit dem der Europäische Gerichtshof die Netzneutralitätsverordnung erstmals ausgelegt hat. Laut EuGH ist das "Zero-Rating" für bestimmte Anwendungen wie Video-Streaming - also die Nichtanrechnung auf das im Tarif inkludierte Datenvolumen - zwar grundsätzlich zulässig, allerdings dürfen die Internetanbieter andere Dienste nicht verlangsamen oder blockieren. "Diese Entscheidung bestätigt unsere bisherige Rechtsauffassung und Praxis", sagte der Telekom-Regulator. In Österreich sei die praktische Relevanz dieses Urteils jedoch gering, weil die meisten Kunden große oder gar unlimitierte Datenpakete hätten. "Das, was sich der Marketing-Mensch vorstellt, was man mit Zero-Rating machen kann, ist quasi obsolet." (apa)