Karla Fazius ist fassungslos. Kurz nach ihrem 25. Hochzeitstag stirbt ihr Mann unerwartet. Für die Mutter bricht daraufhin eine Welt zusammen. Und doch tut sich auch eine neue auf, - aber das weiß sie noch nicht. Denn erst einmal gilt es, die Beerdigung ihres Mannes vorzubereiten. Dabei macht Karla Bekanntschaft mit den Usancen der Bestattungsbranche. Als ihr Urnen in den Farben des Fußballvereins oder die Urne "Meeresgrund" in Blau mit kitschigen Wellen angeboten werden, ist für sie klar: "So geht das nicht, das ist alles hässlich."

Ein dicker Fisch

Denn ihr Mann, meint Karla, sei schließlich etwas Besonderes. Da müsse seine Beerdigung auch etwas Besonderes werden. Mit Band. Und Motto. Bestatter Andreas Borowski (Thorsten Merten) wittert dabei nur eines: einen dicken Fisch. Schließlich war der Verblichene Zahnarzt. Oder zumindest: angeblich. Denn Karla kommt im Laufe der Vorbereitungen drauf, dass sie ihren Mann eventuell gar nicht so gut kannte, wie sie dachte.

Doch dann passiert etwas Unerwartetes: Zum Erstaunen ihrer Familie findet Karla neue Energie in einer neuen Berufung: Sie wird Trauerrednerin. Auf dem Weg, ihre eigene Lebenslust wiederzugewinnen, begleitet sie fortan andere Trauernde und gibt sich dabei alle Mühe, jede einzelne Regel der Bestattungsbranche zu brechen. Gleichzeitig tut sie sich aber schwer, ihren eigenen Verlust zu überwinden, und stürzt dadurch ihre Familie und den pubertierenden Sohn Tonio immer mehr ins Chaos.

Sechs Folgen hat Netflix vorerst von der ungewöhnlichen Geschichte bestellt. Ausnahme-Comedian Anke Engelke ("Wochenshow", "Ladykracher") gibt eine hinreißende Witwe, die (spät, aber doch) ihre wahre Berufung findet. In den Folgen werden verschiedene Geschichten von Trauer, Tod und dem Weiterleben erzählt: Mal lustig, mal traurig und immer ein bisschen absurd.

Der lustige Bestatter

Ein Bestattungsunternehmen als Hintergrund für eine Serie ist nicht neu. Schon "Six Feet Under" bewies auf HBO, dass sich schwarzer Humor und schwarze Kleidung ganz formidabel eignen. Auch die Hexen in "The Chilling Adventures of Sabrina" betreiben zur Tarnung ein Bestattungsinstitut - während in "Ozark" ein solches herangezogen wird, um tief schwarze Mafiagelder blütenweiß zu waschen.

Mit "Das letzte Wort" trifft Netflix den schmalen Grat zwischen Comedy und Drama genau. Nach der ersten Staffel hat man jedenfalls Lust auf mehr. Schließlich soll der Tod nicht das letzte Wort haben.