Im Abspann ist es immer dasselbe. Die Säbelzahnkatze, genannt "Puss", hat in einem gepflegten Vorstadthaus nichts zu suchen. Die Haare! Milben! Allergien! Also setzt Fred Feuerstein das possierliche Tier vor die Türe. Doch die Katze springt durchs Fenster wieder rein und setzt ihrerseits Fred vor seine eigene Türe. Dieser wummert dann mit den Fäusten an die hölzerne Haustüre und ruft den (nach Tarzan und der Duschszene in Psycho) wohl bekanntesten Schrei der Bewegtbildgeschichte: "Wilmaaaa!!"

Auf den Tag genau 60 Jahre ist es diesen Mittwoch her, dass Fred Feuerstein sein erstes "Wilmaaaa!!" ertönen ließ. Immerhin im Hauptabendprogramm des US-Senders ABC. Aber auch seinen nicht weniger bekannten Kampfschrei "Yabba Dabba Doo!" - immer gerne benutzt, wenn Feierabend ist und man nach Hause fahren kann. Auch das ist im Vorspann zu sehen, wenn Fred Feuerstein auf einem Saurier sitzt, den er bei seinem Job im Steinbruch braucht, und dann über den Schwanz direkt in sein durch Fußantrieb bewegtes Auto gleitet. Wenngleich man die Füße offenbar nur für den Start des Autos braucht, später fährt es ganz alleine - wobei nicht ganz klar ist, womit. Betankt wird es allerdings von "Ethel", einem Wollhaar-Mammut, das mit seinem Rüssel den Tank füllt.

Schon sind wir mitten in den Seltsamkeiten dieser erzählten Welt. Hier leben Dinosaurier sowie anderes Urzeitgetier und Menschen zusammen. Einträchtig kann man da nicht sagen, sind es doch die Tiere, die die ganze Arbeit verrichten müssen. Wenn sich Wilma wieder einmal beklagt, dass der Abfluss nicht funktioniert, wird rasch klar, warum: An dessen Ende sitzt ein dickes Tier, das eben einfach satt ist. Und wenn Freds Nachbar Barney den Rasen mäht, tut er das mit einer gesäumten Schildkröte. Und ja, das dauert seine Zeit. Aber die Tiere haben auch eine Stimme - und dürfen oft eine sarkastische Bemerkung loslassen.

Kreationistischer Subtext

Es wirkt fast wie ein kreationistischer Subtext, dieses Zusammenwerfen von Dinos und Menschen, das, wie wir dank den Segnungen der Aufklärung wissen, zeitlich nicht stattgefunden haben kann. In der Entstehungszeit der Serie, den frühen 1960ern, war der Zeitgeist auch nicht so, dass Wissenschaft und Fortschritt von rückwärtsorientierten Fundamentalisten prinzipiell angezweifelt wurden. Da waren wir im Jahrzehnt der Mondlandung schon weiter; heute gibt man einander ja auf Flat-Earth-Kongressen Tipps, wie man nicht von der Erdscheibe fällt.

Man kann die "Familie Feuerstein" als Parodie auf die amerikanische Mittelschicht der Nachkriegszeit lesen. Mit gleich aussehenden Häusern in den Suburbs von "Bedrock" (übrigens aus der Geologie entnommen), von denen aus mit dem Fahrzeug zur Arbeit gefahren wird. Haushalt und Kinder obliegen Freds Ehefrau Wilma. Sie wird als klüger dargestellt als ihr oft jähzorniger und unreflektierter Mann, ein typischer Blue-Collar-Worker, der (und da kann man sich sicher sein) 2016 wohl Dino Trump zum Präsidenten gewählt hätte. Wilma hingegen geht gerne shoppen und diskutiert mit ihrer Freundin Betty die neueste Fellmode. Sie ist souverän und steht über den Dingen, außer wenn Fred sich anderen Frauen nähert - das geht gar nicht.

Die Geschichte der Feuersteins ist Teil der Geschichte des genialen Comic-Duos Joseph Barbera und William Hanna. Die beiden Hollywood-Produzenten hatten sich bereits 1940 die Figur einer Katze ausgedacht, die mit allen Mitteln eine Maus jagt und dabei Kollateralschäden hinterlässt: "Tom & Jerry". Zwei Jahrzehnte später waren Trickfilme fester Bestandteil des Kinos, eigene Folgen für das Fernsehen gab es aber nicht. Hanna und Barbera wollten das mit einer Serie ändern, die sowohl Kinder als auch Erwachsene komisch finden könnten - den Feuersteins.

Sechs Staffeln mit insgesamt 167 Folgen waren der Steinzeitfamilie im goldenen Zeitalter der TV-Comics gegönnt, in dem mit Comics viel Geld verdient wurde. Heute unvorstellbar war etwa eine Werbung der Zigarettenmarke "Winston", die nach dem Abspann Wilma und Fred beim genussvollen Rauchen der beworbenen Zigaretten zeigte. Mitte der 1960er begann mit dem Füllen der Nachmittagsschiene durch Comics ein steter Niedergang.

Das Duo Hanna-Barbera war für eine Vielzahl an wohlbekannten Produktionen verantwortlich. Mehr als 3.000 halbstündige Episoden gingen durch ihre Hände, darunter "Jonny Quest", "Scooby-Doo", "Yogi Bär" und "Die Schlümpfe". Aber auch grenzgeniale Produktionen wie "Cow and Chicken", randvoll mit Erwachsenen-Humor. Das hatte mit den Comic-Produktionen von Disney nichts gemein. Erst viel später begann man auch bei Disney, Humorebenen für erwachsene Zuschauer einzubauen. Ohne die richtungsweisenden Feuersteins wären etwa "Die Simpsons", "Spongebob" oder "South Park" denkunmöglich gewesen.

Auf die Freundschaft

Ein Leitmotiv zieht sich durch die Arbeiten von Hanna und Barbera: Freundschaften. Ob Fred und sein Kumpel Barney Geröllheimer (im Englischen übrigens "Rubble" genannt), Scooby und Shaggy, Johnny Bravo und Carl, Dexter und sein Supercomputer oder die "Powerpuff Girls" - immer steht die Freundschaft der Charaktere im Mittelpunkt. Eine Freundschaft, die auch Hanna und Barbera über Jahrzehnte pflegten, obwohl sie unterschiedliche Typen waren. Während Hanna sich in der Animationsbranche herumtrieb, war Barbera eine Hollywood-Berühmtheit, in deren Haus Weltstars wie Zsa Zsa Gabor ein und aus gingen. Hanna war Outdoor-Sportler, Barbera genoss Essen und Trinken (wobei der Genussmensch seinen Freund kurioserweise um fünf Jahre überlebte). Ihr Unternehmen ist heute Teil des Konglomerats von Warner Brothers.

Konstant hohe Qualität

Hanna und Barbera zählten zu den Ersten in Hollywood, die das Potenzial des Fernsehens erkannten. Sie produzierten über Jahrzehnte hochqualitatives Comic-TV mit exzellenten Figuren und Büchern. Sieben Oscars und acht Emmy Awards zählen zu den Erfolgen des außergewöhnlichen Duos. Von allen Produktionen hatte "Familie Feuerstein" die höchsten Einschaltquoten. Die Folge "The Blessed Event" (Erstausstrahlung in den USA am 22. Februar 1963), die von der Geburt der Pebbles Feuerstein handelte, verzeichnete den höchsten Zuschaueranteil der Seriengeschichte.

Als die Flintstones als "Familie Feuerstein" auch hierzulande ins Fernsehen kamen, waren sie in den USA schon abgesetzt. Kult blieben sie trotzdem. Es folgten Neuauflagen (eine davon startet demnächst im britischen Fernsehen) und Kinotrickfilme, sogar zwei Filme mit echten Schauspielern gab es: John Goodman spielte Fred Feuerstein, Elizabeth Perkins seine Wilma. Und John Goodmans "Yabba Dabba Doo!" war im Film von 1994 fast so gut wie das des prähistorischen Originals. Dafür sorgte schließlich kein Geringerer als Produzent "Steven Spielrock".