Die Corona-Krise hat nicht allen Unternehmen schwer zugesetzt: Der Streaming-Markt von Disney+ und Netflix über Spotify bis hin zu Audioplattformen hat einen Höhenflug erlebt und so sollen nach Serienhits und Musiktiteln nun Podcasts das große Geld bringen. Wie spannend es gerade in diesem Bereich zugeht, zeigt sich aktuell am Beispiel von Wondery.

Von null in die Top 5

Das US-Unternehmen, das hinter Hit-Podcasts "Dr. Death" und "Dirty John" steht, lotet gerade seine strategischen Optionen bis hin zu einem möglichen Verkauf aus. Laut Analysten wird der Wert des Unternehmens mit mindestens 200 Millionen Dollar beziffert, was den bislang höchsten Transaktionswert in der Podcast-Branche bedeuten würde. Wondery wurde 2016 vom ehemaligen TV-Manager Hernan Lopez gegründet und hat in den letzten Jahren einige der beliebtesten Podcasts produziert. Der Umsatz des Unternehmens ist gegenüber dem Vorjahr um 75 Prozent gestiegen und wird in diesem Jahr 40 Millionen US-Dollar überschreiten. Damit hat sich die Firma innerhalb weniger Jahre in die Top 5 Anbieter von gesprochenen Inhalten hochgearbeitet. Im Gegensatz zu klassischen Hörbuchanbietern und "normalen" Podcasts, die meist aus Diskussionen, Vorträgen oder Lesungen bestehen, setzt Wondery auf das klassische Hörspiel. Die Serien werden vertont, bieten mehrere Sprecher und sollen so für ein kinoähnliches Hörerlebnis sorgen. Und da die einzelnen Podcasts-Folgen aufwendig produziert werden, ist eine mögliche Umsetzung auch als Fernsehserie kein Problem.

Wondery könnte das Interesse einer Reihe von Unternehmen wecken, die in das Podcasting einsteigen möchten. Plattenlabels, Streaming-Dienste und Fernsehsender geben alle Originalserien in Auftrag, um das wachsende Publikum für On-Demand-Audio zu erschließen. Und gerade in diesem Bereich hat Wondery einige Podcasts in Planung beziehungsweise im Angebot, die in TV-Serien umgewandelt werden könnten.

Wondery steht jedoch vor zwei Hürden beim Verkauf. Das Unternehmen besitzt für einige seiner Shows kein geistiges Eigentum, und Lopez befindet sich derzeit in einem Rechtsstreit. Er wurde beschuldigt, als er noch für 21st Century Fox arbeitete, mit Bestechungsgeldern an die Übertragungsrechte von Fußballweltmeisterschaften gelangt zu sein. Lopez hat sich nicht schuldig bekannt.

Der Wettlauf um Podcasts

Nicht nur Amazon, Apple und Google kämpfen hart am Podcastmarkt, auch Spotify meldete sich in der jüngeren Vergangenheit zurück in investierte hunderte Millionen Dollar in Zukäufe. Außerdem wurde diese Woche bekanntgegeben, dass die nächste Batman-Geschichte zunächst als exklusiver Podcast bei Spotify erscheinen wird und danach erst als Film. Andere große Unternehmen haben ebenfalls Interesse an Podcasting-Deals gezeigt. Dazu gehören SiriusXM Holdings, die Anfang des Jahres die Übernahme der Podcast-Plattform Stitcher bekanntgaben, oder iHeartMedia, das das größte Netzwerk von Radiosendern in den USA und einen großen Podcasting-Betrieb besitzt.

Schon seit Jahrzehnten wird den Podcasts eine glorreiche Zukunft beschieden, doch bislang kam man über Achtungserfolge meist nicht hinaus. Als zweites Standbein für Medienhäuser ging die Rechnung bislang ebenso wenig auf, die "New York Times" vielleicht ausgenommen, wie sie einzelne Anbieter wirklich gut finanzieren konnten. Aber wer weiß, was die nächsten Monate bringen - dank Corona kann dies ja niemand wirklich abschätzen.