Der Presserat - ein Selbstkontrollgremium der österreichischen Medien - hat die Tageszeitung "OE24" wegen ihrer Suizidberichterstattung gerügt. Die Zeitung hatte über einen Fall von "Suicide by Cop" berichtet - also über einen Mann, der sich von der Polizei habe erschießen lassen. Unzulässig war nach der Freitag veröffentlichten Einschätzung des Presserats aber nicht der Bericht selbst, sondern dass zu viele persönliche Details aus dem Leben des Verstorbenen genannt wurden.

Der Senat 1 des Presserats plädiert grundsätzlich für Zurückhaltung bei der Berichterstattung über Suizide, insbesondere wegen der Gefahr der Nachahmung. Im Fall von Suiziden, bei denen andere Personen verletzt oder gefährdet werden - im gegenständlichen Fall kam es zu einem Schusswechsel mit der Polizei - überwiege aber der Informationswert für die Allgemeinheit. Auf dieses öffentliche Interesse hatte im Verfahren auch der Rechtsanwalt der Zeitung hingewiesen - auch darauf, dass unterhalb des Artikels auf Hilfsangebote für Betroffene verwiesen wurde.

Letzteres würdigte auch der Senat des Presserats. Als nicht gerechtfertigt wertete er aber die im Artikel geschilderten möglichen Motive für den Suizid. (apa)